Das sind alles keine normalen Nachrichten. Selbst für Lateinamerika nicht, wo man politische Krimis, Intrigenspiele und Dramen zur Genüge kennt. Der frühere Präsident von Peru, Alejandro Toledo, wird von Interpol gesucht: Zuletzt vermutete man den 70-Jährigen in Kalifornien. Es gibt den tief gefallenen Starunternehmer Eike Batista, der mal der reichste Mann der ganzen Welt, mindestens aber Brasiliens werden wollte, und der nach einer kurzen Flucht in Richtung New York nun mit geschorenen Haaren in ein brasilianisches Gefängnis gesteckt wurde. Dort sitzt schon der frühere Gouverneur von Rio de Janeiro – von jenem brasilianischen Bundesstaat also, der so pleite ist, dass er kurz vor dem Karneval nicht mal mehr die Gehälter seiner Polizisten bezahlen kann. Sergio Cabral, dieser Gouverneur, wurde kürzlich laut zeternd abgeführt, unter dem Jubel von Zuschauern, die am Liebsten den Lynchmob gegeben hätten.

In der brasilianischen Hauptstadt Brasília treffen sich derzeit Generalstaatsanwälte aus 15 Ländern, weil sie besprechen, was die nächsten spektakulären Nachrichten sein könnten. Sie kommen aus Brasilien, Antigua und Barbuda, Argentinien, Chile, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Mexiko, Peru, Mosambik, Panama, Portugal, der Dominikanischen Republik und Venezuela.

Geld gegen Bauaufträge

Das verbindende Element zwischen all den Skandalen und Festnahmen ist ein 48-jähriger Geschäftsmann namens Marcelo Odebrecht. Er war zwischen 2008 und 2015 Chef des größten Baukonzerns von Brasilien – der Odebrecht-Gruppe. In all den genannten Ländern sind zuletzt Fälle aufgetaucht, in denen Odebrecht-Mitarbeiter zunächst diskret Geldköfferchen übergeben haben – und dann als Gegenleistung, so die Staatsanwälte, mit lukrativen Aufträgen im Baugeschäft wieder abzogen. Die Anschuldigungen reichen mancherorts bis an die Staatsspitzen: Sie treffen zum Beispiel den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos und seinen Amtskollegen aus Panama, Juan Carlos Varela.

Auch Ermittler aus der Schweiz und aus den USA arbeiten bei den Ermittlungen mit, weil Odebrecht in diesen Ländern Finanzgeschäfte hat und weil Odebrecht-Töchter wie Braskem an der New Yorker Börse notiert sind. Im Dezember zum Beispiel veröffentlichte das Justizministerium der USA Dokumente, in denen Odebrecht-Bestechungszahlungen in Höhe von etwa einer Milliarde US-Dollar auflistet sind. Sie sollen in 12 Länder Lateinamerikas und Afrikas geflossen sein.

Brasilien - Ein erster Schritt zum bedingungslosen Grundeinkommen Die brasilianische Stadt Maricá macht ein Experiment: Einige Tausend bedürftige Einwohner bekommen eine Mumbuca-Karte, mit der sie grundlegende Versorgungsgüter kaufen können. © Foto: AFP-TV