Donald Trump, Wladimir Putin, Marine Le Pen, Frauke Petry und der sogenannte "Islamische Staat", sie alle haben eines gemeinsam: Sie kritisieren die Globalisierung, und ihre Kritik wird von vielen Menschen geteilt. Obwohl die wirtschaftliche Verflechtung der Welt uns – unter anderem – billigere Produkte und bessere Exportmöglichkeiten gebracht hat, ist der Begriff Globalisierung zu einem Schimpfwort geworden.

Der Widerstand gegen die Globalisierung kommt aus allen Bereichen des politischen Spektrums. Der am besten organisierte Globalisierungsgegner ist jedoch die politische Rechte. Das erscheint logisch, denn eine treibende Kraft des Protests ist der Nationalismus, und dieser ist historisch eng mit der politischen Rechten verbunden. Zugleich ist es paradox: Die Globalisierung ist auch ein Projekt des Neoliberalismus – und der ist seit mehreren Jahrzehnten eine Ideologie der Rechten.

Wie passt das zusammen? Um den Widerspruch zu verstehen, lohnt ein Blick in die Geschichte. Im späten 19. Jahrhundert spannte sich erstmals ein Handelsnetz über den gesamten Globus. Aber die westeuropäischen Mächte ­– Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Portugal und andere – kontrollierten und regelten den Handel. Es herrschte militärischer und ökonomischer Imperialismus, der letztendlich zum Kampf um Afrika führte und eine der Ursachen des Ersten Weltkriegs war.

Die dunkle Seite: Fremdenfeindlichkeit

Colin Crouch ist ein britischer Politikwissenschaftler und Soziologe. Mit seiner Arbeit zur Postdemokratie wurde er international bekannt. © Michael Gottschalk/Photothek/Getty Images

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte die Zeit des Freihandels zurück. Doch die Globalisierung wurde nun nicht mehr von Europa gesteuert, sondern durch die Vereinigten Staaten – und die Handelsbarrieren wurden nur im Westen abgebaut, denn wegen des Kalten Krieges blieben die Sowjetunion, China und ihre Verbündeten außen vor.

Für die Bürger im Westen war die damalige Entwicklung keine Bedrohung und sie sahen in ihr auch keine Gefahr für ihre nationale Souveränität. Für viele Teile der Welt und besonders in Europa brach eine friedliche Zeit an, wie es sie lange nicht gegeben hatte. Aber es gab da ein Problem: Weil mehr und mehr Einwanderer in die westlichen Industrienationen zogen, wuchs dort die Fremdenfeindlichkeit. Das geschah im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Belgien oder den Niederlanden, wo die Migranten hauptsächlich aus den früheren Kolonien kamen, und es passierte in Österreich, Deutschland und der Schweiz, wo man die Gastarbeiter regelrecht eingeladen hatte, zu kommen.

Mit der Zeit fanden die Länder Wege, den Spannungen etwas entgegenzusetzen. Es half, dass die Wirtschaft schnell wuchs und man die ausländischen Arbeitskräfte angesichts niedriger Geburtenraten und Vollbeschäftigung brauchte. Die Konflikte verschwanden dadurch zwar nicht, aber die politischen und wirtschaftlichen Eliten, die sich noch an die Folgen des Rassismus in den 1930er Jahren in Deutschland erinnerten, widerstanden weitgehend der Versuchung, sie auszunutzen.

Die dritte Welle der Globalisierung folgte. Der Welthandel wuchs, Zölle wurden gesenkt, der nationale und internationale Abbau von Regeln kam rasch voran, und neoliberale Ideen setzten sich durch. Dann kamen die 1980er Jahre – und die alten Industriejobs verschwanden, zunächst in der Stahl- und Schiffsbauindustrie, dann in weiteren Branchen, in denen Unternehmen aus Japan und Südkorea europäische und US-Firmen aus dem Feld schlugen.

Der Preis des Wachstums

Die Sowjetunion brach zusammen, die Länder in Mittel- und Osteuropa konnten sich den europäischen Märkten und schließlich der EU annähern, selbst das formal immer noch staatssozialistische China trat der Welthandelsorganisation bei. Die USA und Großbritannien trieben die Deregulierung des internationalen Finanzsystems voran. Dadurch wuchsen Wirtschaft und Finanzbranche weiter – und unverantwortliche Spekulationen wurden befeuert, die 2008 weite Teile der Welt in die Finanzkrise stürzten.

Der Begriff Globalisierung ist zu einem Schimpfwort geworden.
Colin Crouch

Dennoch profitierten viele von der Globalisierung. Zwar nahm die Zahl der einfachen Jobs in den reichen Ländern ab, aber sie wurden ersetzt durch höherwertige Arbeiten oder Dienstleistungen, die sich nicht importieren ließen, etwa in der Gesundheitsversorgung, in der Bildung, in der Gastronomie oder im Einzelhandel. Auch in den zuvor armen Ländern wuchs die Wirtschaft, etwa in China und Indien, und es entstand eine breite Mittelschicht, die sich teure Produkte aus Europa, Japan und den USA leisten konnte.

Doch das Wachstum hatte einen Preis. Arbeiter in Chinas rasch wachsenden Industriestädten litten unter den harten Arbeitsbedingungen und der schmutzigen Luft. Arbeiter in den alten Industrieregionen Europas und der USA mussten mit ansehen, wie die Betriebe untergingen, in denen sie mit Stolz gearbeitet hatten. Neue Jobs entstanden eher im wenig anerkannten, schlecht bezahlten Dienstleistungsgewerbe. Es waren auch eher Jobs für Frauen, die etwas hinzuverdienen wollten – und keine Arbeitsplätze für den traditionellen männlichen Alleinernährer.