Der Klimawandel wird zunehmend zu einer Bedrohung für den Frieden. Er verstärkt die Faktoren, die das globale Sicherheitsgefüge destabilisieren, immer mehr. Wenn sich die Außenminister der G20 ab Donnerstag unter deutscher Präsidentschaft in Bonn treffen, werden sie sich deshalb auch mit der Erderwärmung beschäftigen.

Viele Augen werden sich bei dem informellen Treffen auf Rex Tillerson richten, den neuen Außenminister der USA. Für den bisherigen Vorstandsvorsitzenden des Ölkonzerns Exxon ist es der erste große internationale Auftritt in seiner neuen Rolle. Er hat bekanntermaßen eine problematische Haltung zum Klimawandel: Bei seiner Befragung im US-Senat akzeptierte er zwar die Existenz des globalen Klimawandels. Er bestritt aber den wissenschaftlichen Konsens, der besagt, dass hauptsächlich der Mensch die Erderwärmung verursacht.

Das scheint die neue Linie der US-Regierung zu werden. Doch auf der G20-Konferenz wird auch Tillerson über den Klimawandel als Risikoverstärker für internationale Konflikte diskutieren müssen: Zu erwarten seien "durch Wüstenausdehnung und Meeresspiegelanstieg unbewohnbare Regionen, Ernährungsunsicherheit, Konflikte über knappe Ressourcen oder Zunahme der Migration", heißt es im Vorbereitungsdokument.

Christoph Bals ist Politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. © privat

Für Sicherheitskreise und das Militär in den USA spielen diese Risiken schon seit einigen Jahren eine zentrale Rolle. Geoffrey Kemp, Leitender Direktor am US-Zentrum für die Nationale Sicherheit und früherer Berater von Präsident Reagan für Nationale Sicherheit, erklärte noch vor wenigen Wochen: "Die Führung unseres Militärs und der Sicherheitsdienste haben unter den Regierungen von George W. Bush und Obama erkannt, dass Klimawandel ein reales und teures Risiko für unsere nationale Sicherheit darstellt."

Wetterextreme nehmen durch den Klimawandel an Heftigkeit und Ausmaß zu. Deren Rolle als Risikoverstärker zeigte sich bereits in vielen Krisen, die die Welt in den vergangenen Jahren in Atem hielten.

Wetterextreme, teures Brot, Arabischer Frühling

Der Beginn des zunächst hoffnungsvollen Arabischen Frühlings ist beispielsweise nicht zu verstehen ohne die Wetterextreme des Sommers 2010. Da erlebte die Welt eine Jahrhundertdürre in China, riesige Steppenbrände in der Ukraine sowie Russland, starke Überschwemmungen in Kanada sowie Australien. Es folgten Missernten und Ausfuhrbeschränkungen. Der Weizenpreis verdoppelte sich weltweit. Davon waren der Nahe Osten und Nordafrika besonders betroffen, denn in dieser Region liegen neun der zehn Staaten mit den größten Weizenimporten.

Die Brotpreise vervielfachten sich – und das befeuerte die bereits aufgestaute Unzufriedenheit der Bevölkerung in der Region über ihre autoritären Herrscher. Ende 2010 brachen die Aufstände aus, die zum Arabischen Frühling führten.

Besonders relevant ist auch das Beispiel Syrien: Laut Nasa gab es in Syrien in den Jahren 2006 bis 2011 die schwerste Dürre seit 900 Jahren. In dieser Zeit verendeten 85 Prozent der Viehherden, 800.000 Bauern verloren ihre Existenzgrundlage. Das US-Verteidigungsministerium spricht von "massiven landwirtschaftlichen Ausfällen und Bevölkerungsbewegungen von Landbewohnern in die Städte, zeitgleich mit der Präsenz einer großen Zahl irakischer Flüchtlinge".

Freilich entlud sich in den syrischen Protesten kein Zorn über den Klimawandel, sondern eine Wut über die jahrelange Vernachlässigung der ländlichen Regionen. Aber die extreme "Dürre verschärfte die Situation noch", sagt Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt der Universität Mainz.

Es wird erwartet, dass der Klimawandel in Zukunft immer häufiger eine solche Rolle als Risikoverstärker spielen wird.