Dabei holt die Konservativen nun ein, was das französische System grundsätzlich befördert: Geschäfte unter Freunden auszumachen und öffentliche Projekte unter der Hand zu vergeben. Politiker und Wirtschaftsmächtige leben zusammen in einer relativ kleinen Blase in Paris: Das zentralistische Land hat nicht wie im föderalen Deutschland beispielsweise eine Bundesbank in Frankfurt und das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, sondern alle Institutionen sind auf die Hauptstadt konzentriert. Man kennt sich untereinander – häufig schon von den wenigen Eliteuniversitäten. 

Von der Verwaltungshochschule ENA kommt immer noch die große Mehrheit der Politiker und auch Manager. "Die Elite bleibt unter sich, es ist ein sehr begrenzter Kreis an Menschen", sagt Forscherin Wickberg. So schafft es auch bei den Sozialisten immer wieder derselbe Zirkel an Leuten nach oben: Zwar zieht diesmal mit Benoît Hamon ein linker Kandidat mit radikalem Programm in den Präsidentschaftswahlkampf. Ein Außenseiter ist er trotzdem nicht. Als Student wohnte Hamon mit dem früheren Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg und Ex-Bildungsminister Vincent Peillon in einer WG – 30 Jahre später kämpften die drei kürzlich im Fernsehduell darum, von den sozialistischen Anhängern aufgestellt zu werden. Die alten Bande setzen sich von der WG-Küche bis in die Sphären der Macht fort.

Männer mit Parteikarriere

In der Folge erneuern sich die Parteien nur wenig. Bei den konservativen und den sozialistischen Vorwahlen standen vor allem Männer mit jahrzehntelanger Parteikarriere zur Wahl. Nicolas Sarkozy war Innenminister und über fünf Jahre Präsident, Alain Juppé war mehrfach Minister und schon einmal Premierminister, und der nun skandalträchtige François Fillon war jahrzehntelang Abgeordneter, Minister und schließlich Premierminister unter Sarkozy. "Wer lange Zeit an einer Position sitzt, umgeben von alten Bekannten, der ist auch eher gefährdet, dies auszunutzen", sagt Politologin Wickberg. Das sei ein zutiefst menschliches Problem: "Wir bevorteilen Personen, die wir schon kennen."

Ob Fillon die mutmaßliche Scheinanstellung seiner Familie langfristig schadet, ist trotzdem noch nicht ausgemacht. In zahlreichen französischen Städten werden selbst schon einmal verurteilte Politiker wiedergewählt, auch Juppé und Sarkozy tauchten nach Skandalen immer wieder von Neuem auf. Vielleicht haben sich die Franzosen auch über Jahrzehnte so sehr an Skandale und Korruption gewöhnt, dass sie sie nicht wirklich übel nehmen.