Sexuelle Belästigungen durch den Vorgesetzten, schlüpfrige Angebote und eine unfähige Personalabteilung: Die Vorwürfe ehemaliger Uber-Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen sind heftig. Es herrsche eine Machokultur und Sexismus sei weit verbreitet. Uber-Chef Travis Kalanick steht unter Druck.

Für die Aktivistin Catherine Bracy kommen die jüngst publik gewordenen Anschuldigungen gegen das Unternehmen nicht überraschend. Sie sagt: Jede Frau, die im Silicon Valley arbeitet, könne von ähnlichen Vorfällen berichten. Bracy weiß, wovon sie spricht. Sie arbeitet seit Jahren im Valley. 2012 hat sie für die Wiederwahlkampagne von Obama ein Büro in San Francisco aufgebaut, heute setzt sie sich für Gleichberechtigung im Technologiesektor ein. Dafür hat sie die Organisation TechEquity Collaborative mitgegründet, die gegen Sexismus und Ausgrenzung im Silicon Valley kämpft.

Immer wieder erzählen ihr Frauen von ähnlichen Zuständen, wie sie bei Uber zu herrschen scheinen. Ihr sei gar der Fall eines Managers bekannt, der sich offen dagegen aussprach, Schwangere einzustellen. Während der Schwangerschaft seien Frauen schlichtweg verrückt und zu nichts zu gebrauchen, habe der Mann seine Rekrutierungspraxis gerechtfertigt.

Es könnten Einzelfälle sein, die jetzt nur durch die Berichterstattung in den Medien als weit verbreitetes Phänomen erscheinen. Doch die 2016 publizierte Studie Elephant in the Valley, initiiert von sieben Frauen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen, unter ihnen zwei Forscherinnen der Stanford-Universität, widerlegt diese These. Für die Studie wurden mehr als 200 Frauen aus dem Großraum San Francisco befragt. Der größte Teil von ihnen arbeitet in führenden Positionen bei Start-ups und Technologiekonzernen wie Google oder Apple.

"Warum würde eine Frau sich das antun wollen?"

Die Resultate sind deutlich: 60 Prozent aller Frauen berichteten von ungewollten sexuellen Annäherungen am Arbeitsplatz. Zwei Drittel der belästigten Frauen gaben an, die Avancen seien von ihren Vorgesetzten gekommen. In anonymisierter Form konnten Betroffene die Vorfälle schildern. Eine Teilnehmerin der Studie erzählte, einer ihrer Kunden habe sie dazu aufgefordert, sich auf seinen Schoss zu setzen. Nur dann werde er bei ihr kaufen. Als sie den Vorfall ihren Vorgesetzten meldete, hätten diese nichts unternommen. Eine andere Frau schilderte, wie ihr der Chef von Beginn an klarmachte, durch Sex mit ihm könne sie die nächsten Sprossen der Karriereleiter erklimmen.

Catherine Bracy © privat

"Warum würde eine Frau sich das antun wollen?", fragt die Aktivistin Catherine Bracy trocken. Die Machokultur und der Sexismus in Silicon-Valley-Firmen hielten viele Frauen davon ab, in die Branche einzusteigen.

Tatsächlich sind Frauen in den kalifornischen Technologieunternehmen klar unterrepräsentiert. Das zeigen die Zahlen zu Diversität im Betrieb, die einige Silicon-Valley-Firmen einmal im Jahr offenlegen. Im Jahr 2016 waren zum Beispiel nur 32 Prozent der Apple-Mitarbeiter Frauen, schreibt der Konzern. Klammert man nicht-technische Berufe aus, ist das Bild noch deutlicher. Nur 23 Prozent der Programmierer, Datenanalysten und Ingenieure sind weiblich. Bei Facebook, Google, Twitter und Yahoo sieht es nicht besser aus. Es sind fast ausschließlich Männer, die Smartphones entwickeln und Apps programmieren.

Die Technologiefirmen wehren sich: Man tue alles, um mehr Frauen zu rekrutieren, erklären sie. Aber es gäbe schlicht zu wenige weibliche Bewerber, denn nur wenige Frauen würden die Universitäten mit einem Abschluss in Informatik, Statistik oder Physik verlassen. Deshalb sei man eben gezwungen, Männer einzustellen.