Die Vorstände mehrerer Dax-Konzerne wehren sich gegen die Pläne der SPD, die Höhe von Managergehältern gesetzlich zu deckeln. "Die Vorgabe einer Höchstquote wäre ein deutlicher Eingriff in die Eigentümerrechte", warnt Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Münchener Rück, in der ZEIT. Persönlich empfinde er seine Vergütung als angemessen, im internationalen Vergleich seien die Vorstandsgehälter in seinem Unternehmen aber "sehr moderat". Von Bomhard erhielt nach Angaben der Münchener Rück im Jahr 2015 ein Vergütung von 4,5 Millionen Euro.

Die SPD schlug im Januar eine gesetzliche Maximalquote zwischen der Vergütung von Vorstandschefs und dem durchschnittlichen Mitarbeitergehalt in ihren Unternehmen vor.

Bayer-Vorstandschef Werner Baumann hält eine solche Quote für weltfremd. "Beschäftigungsstrukturen und durchschnittliche Einkommen unterscheiden sich von Branche zu Branche erheblich, eine zwangsläufig generalisierende Höchstquote für alle Unternehmen ist kontraproduktiv", sagt er.  

Durchschnittsgehalt bei fünf Millionen Euro

Auch die Chefs anderer Dax-Konzerne verteidigen das aktuelle Vergütungsmodell. Die ZEIT hatte alle 30 um ihre Einschätzung gebeten. "Deutschland hat mit der sozialen Marktwirtschaft ein exzellentes Wirtschaftsmodell und steht im internationalen Vergleich hervorragend da", sagt zum Beispiel adidas-Vorstandschef Kasper Rorstedt und verweist auf die gute Beschäftigungslage und steigende Realeinkommen. "Das belegt doch, dass die deutschen Unternehmen und ihre Lenker zum überwiegenden Teil einen guten Job machen und ihre Unternehmen zum Wohle der Gesellschaft führen."

Auch die Union sieht den Vorschlag der SPD kritisch. "Manche Manager haben den Kontakt zur Realität und zur Lebenswirklichkeit ihrer Angestellten völlig verloren. Die wollen hierzulande eine Altersabsicherung wie deutsche Beamte und bezahlt werden wie in den USA", so Jens Spahn, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, in der ZEIT. Das Thema sei für ihn aber eher "eine Frage des Anstands. Man muss da nicht immer gleich Gesetze machen".

Im Jahr 2015 lagen die durchschnittlichen Gehälter der Vorstandsvorsitzenden in Deutschland bei 5,1 Millionen Euro, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mitteilte. In Frankreich lag der Durchschnitt mit 4,7 Millionen Euro etwas niedriger, in der Schweiz mit 6,8 Millionen Euro etwas höher. Deutlich mehr wurde mit umgerechnet 16,4 Millionen Euro in den USA gezahlt.

Laut der Studie war Daimler-Chef Dieter Zetsche im Geschäftsjahr 2015 Topverdiener unter den Managern der 30 Dax-Unternehmen. Er bekam 8,5 Millionen Euro. Im Gegensatz zu anderen Jahren habe 2015 kein Vorstandschef einen zweistelligen Millionenbetrag kassiert.

SPD billigte hohe Vorstandsgehälter bei VW

Für die SPD ist das Thema Vorstandsgehälter delikat, da das ehemalige VW-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt, eine frühere SPD-Politikerin, Berichten zufolge eine Abfindung von mehr als zwölf Millionen Euro bekommt.

Die VW-Manager waren in der Vergangenheit absolute Topverdiener. Der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn bekam zu Spitzenzeiten 17,5 Millionen Euro. Im Aufsichtsrat des Wolfsburger Unternehmens sitzt traditionell der Ministerpräsident von Niedersachsen, seit 2013 ist das der SPD-Politiker Stephan Weil. Der Aufsichtsrat von Volkswagen erwägt derzeit, die Managergehälter im Konzern auf maximal 10 Millionen Euro jährlich zu deckeln.