Vertreter der deutschen Wirtschaft haben beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in Washington, D.C. ein klares Bekenntnis der US-Regierung zu einer transatlantischen Zusammenarbeit vermisst. Die "gesamte Weltwirtschaft" habe bei dem Treffen auf eine solche Ansage "sehnsüchtig gewartet", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, der Deutschen Presse-Agentur. "Niemand ist eine Insel – auch die USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump nicht", sagte Kempf weiter. "Nicht nur Deutschland und Europa, sondern auch die USA würden von einer engeren Zusammenarbeit profitieren."

Zugleich lobte der BDI-Chef, dass Trump sich beim Treffen ausdrücklich von einer isolationistischen Haltung distanzierte. Er freue sich zudem über Merkels Ansage, die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA fortzusetzen.

Donald Trump - Angela Merkel trifft erstmals neuen US-Präsidenten Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erstmals mit US-Präsident Trump getroffen. Trump betonte, für freien Handel zu sein, allerdings müsse dieser auch fair sein. © Foto: Chip Somodevilla/Getty Images

Trump hatte beim Treffen wie schon häufig zuvor betont, die USA hätten beim Freihandel jahrelang den Kürzeren gezogen. Dies werde er beenden. Als Beispiel nannte er den deutschen Exportüberschuss und wiederholte seine Drohung, deutsche Autobauer mit höheren Zöllen zu belegen, falls diese ihre Produktion nach Mexiko verlegen.

Kempf: "Deutschland ist drittgrößter ausländischer Arbeitgeber"

BDI-Chef Kempf erinnerte daran, dass deutsche Tochtergesellschaften in den USA fast 700.000 Menschen beschäftigten. "Somit ist Deutschland der drittgrößte ausländische Arbeitgeber in den USA", sagte er. Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA steigerten Investitionen und sicherten Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Atlantiks.

Der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, wies Trumps Kritik zurück, die USA seien in der Vergangenheit benachteiligt worden. Es sei nach wie vor unklar, wie sich der US-Präsident die transatlantischen Handelsbeziehungen künftig vorstelle, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.Insgesamt sei der Auftakt gut gewesen. Merkel habe es trotz der komplizierten Mission geschafft, dass am Ende "immerhin doch ein Bekenntnis zum freien Handel stand". Zugleich sei aber auch deutlich geworden, "dass die Meinungsunterschiede nicht aus der Welt sind und noch viele langwierige und schwierige Gespräche vor uns liegen".