Donald Trumps lange erwarteter Klimaerlass kommt zu einem interessanten Zeitpunkt. Die Arktis schmilzt, in der Antarktis gibt es so wenig Packeis wie nie. Am Montag veröffentlichten Forscher eine Studie, die zeigt, dass der von Menschen verursachte Ausstoß von Treibhausgasen den Jetstream verändert, jenen großen, zwischen Arktis und Tropen über die Nordhalbkugel mäandernden Luftstrom – und dass dadurch extreme Trockenheit, Regenfluten und Hitze häufiger werden. Bekannte Beispiele: die Dürre in Kalifornien im vergangenen Jahr, die Hitzewellen in Texas und Oklahoma 2011.

Die Warnzeichen sind unübersehbar. Auch in den USA. Es passt zum Realitätsverlust dieses Präsidenten, dass er ausgerechnet jetzt den Erlass unterzeichnet, der die klimapolitischen Fortschritte seines Vorgängers rückgängig machen soll.

Für den weltweiten Kampf gegen den Klimawandel ist das ein schwerer Rückschlag. Nur China bläst mehr Treibhausgase in die Luft als die Vereinigten Staaten. Die USA werden die Ziele, zu denen sie sich im Abkommen von Paris verpflichtet haben, nun wohl nicht mehr erreichen. Das könnte andere Länder verleiten, sich ebenfalls nicht mehr zu bemühen. Dabei müsste sich jeder Unterzeichnerstaat gerade jetzt noch mehr anstrengen, um die Ziele des Abkommens zu erreichen.

Aber der Erlass wird auch seinen behaupteten Zweck verfehlen: Der amerikanischen Wirtschaft, der Trump sagt, helfen zu wollen, bringt er wenig bis nichts. Und der klimapolitische Wandel wird sich auch vom Präsidenten nicht aufhalten lassen.

Die USA verändern sich schon rasant. Nicht in Trumps Richtung, sondern: weg von Kohle und Öl, hin zu Sonne und Wind. Die Gouverneure von Kalifornien, Washington und anderen Bundesstaaten, die Bürgermeister diverser Großstädte haben bereits angekündigt, Klimapolitik auch gegen Trump zu betreiben. In den USA ansässige Weltkonzerne fordern, die Regierung solle das Pariser Abkommen umsetzen. Amazon, Google, Apple und General Motors kaufen lieber Ökostrom direkt vom Erzeuger als fossile Energie aus dem Netz. Im ganzen Land unterstützt eine Mehrheit der US-Bürger strenge Emissionsregeln für Kohlekraftwerke. Die meisten denken, dass der Klimawandel dem Land schaden wird – und selbst unter Trumps Wählern findet eine Mehrheit, der Staat solle Treibhausgasemissionen besteuern oder anderweitig regulieren. Diese Bewegung wird sich nicht durch einen präsidialen Federstrich aufhalten lassen.

Kohle ist schlicht zu teuer

Zumal die Gründe für den Niedergang der Kohleindustrie nicht in der Klimapolitik liegen. Sie sind ökonomischer Natur. In vielen Bundesstaaten lässt sich Wind- oder Solarenergie bereits günstiger erzeugen als Kohlestrom; Erdgas ist durch den Frackingboom sowieso billiger. Deshalb investieren ausgerechnet konservative Bundesstaaten wie Texas besonders viel in erneuerbare Energien – weil Wind und Sonne ein gutes Geschäft sind, nicht aus ethischen Gründen.

Deshalb hat sogar die Tea Party Gefallen an Ökostrom gefunden, und deshalb setzen Investoren wie Warren Buffett verstärkt auf Erneuerbare. Stromversorger schließen alte Kohlekraftwerke, statt neue zu bauen, selbst im Kohlestaat Ohio. Alles andere wäre für sie zu teuer. Die Kohle, die in den USA noch aus dem Boden geholt wird, geht vor allem in den Export, zum Beispiel nach China. Doch auch dort sinkt die Nachfrage seit Jahren. Und viele Arbeitsplätze gibt es in den Bergwerken sowieso nicht mehr, sie sind längst hoch automatisiert.

An diesen Kräften kann auch Donald Trump nichts ändern. Durch die Erneuerbaren sind in den vergangenen Jahren in den USA Hunderttausende Arbeitsplätze entstanden, so schnell wie in kaum einer anderen Branche. Die Arbeitsplätze aber, die Trump den Bergleuten versprochen hat, werden nicht mehr zurückkommen. Das gestehen selbst die Bosse der Kohlekonzerne ein. Auch der Präsident müsste das wissen. Er lud Kohlearbeiter ein, bei der Unterzeichnung seines Klimaerlasses dabei zu sein. Man konnte sehen, wie sehr sie sich darüber freuten. Aber sie waren bloß Staffage, ein willkommene Kulisse für die Trumpsche Inszenierung.

Mit seiner Anordnung verfügte Trump auch, den sozialen Programmen die Unterstützung zu streichen, mit denen ehemals boomende Kohleregionen bisher stabilisiert werden. Für die Kumpel, die ihn gewählt haben, und ihre Familien heißt das: Wahrscheinlich werden sie nicht nur arbeitslos bleiben – sie werden damit nun anders als bisher auch noch alleingelassen. Wen werden sie dafür verantwortlich machen?