Wenn sich die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Wirtschaftsnationen einmal im Jahr zum Gespräch treffen, dann tauschen sie in der Regel ein paar Höflichkeiten aus, unterschreiben eine eher belanglose Abschlusserklärung und wenden sich danach wieder ihren eigenen Angelegenheiten zu. Dieses Mal lief es anders.

Das G20-Gipfeltreffen in Baden-Baden könnte sich im Rückblick einmal als Geburtsstunde einer neuen internationalen Ordnung erweisen: Vielleicht zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte stellen sich die USA mehr oder weniger offen gegen den Rest der Welt. Und die große Frage lautet: Was nun?

Entscheidend ist dabei nicht, was im Kommuniqué steht, sondern was nicht darin steht: Ein Bekenntnis zum freien Handel und zum Kampf gegen den Klimawandel. In beiden Fällen verweigerte der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin die Zustimmung. Und weil derlei Papiere gemäß dem Konsensprinzip verabschiedet werden, ist vom Handel nur am Rande die Rede und vom Klimawandel überhaupt nicht mehr. Die amerikanische Delegation hat in Baden-Baden deutlich zu verstehen gegeben, dass sich die USA an bisherige Abmachungen nicht gebunden sehen, auch wenn sie sich dadurch international isolieren. Unterzeichnet wird künftig nur noch, was in den Augen von Donald Trump und seinen Beratern den Amerikanern nutzt.

Nun ist es für sich genommen noch keine Neuigkeit, dass die USA international ihre Interessen durchsetzen. Das haben Staaten im Allgemeinen und die Vereinigten Staaten von Amerika im Besonderen schon immer getan. Auch die G20 gibt es in ihrer jetzigen Form nur, weil die damalige amerikanische Regierung auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zu der Überzeugung gelangt war, dass sich diese Krise nur gemeinsam bewältigen lässt.

Es geht deshalb auf den Gipfeltreffen des Staatenverbands immer darum, die Schnittmengen zwischen nationalen und internationalen Interessen auszuloten. Für Donald Trump, der den Klimawandel für eine Erfindung der Chinesen hält und den grenzüberschreitenden Handel für ein Nullsummenspiel, bei dem der eine gewinnt was der andere verliert, ist diese Schnittmenge nicht mehr besonders groß.

Das ist im Moment die Lage – und es gibt im Prinzip zwei Wege, damit umzugehen. Einen Weg hat der französische Finanzminister Michel Sapin aufgezeigt, der sich öffentlich über die mangelnde Kompromissbereitschaft der Amerikaner beklagt hat. Es gibt in der G20 sogar Länder, die zur Not auch ohne die Amerikaner weitermachen wollen.

Schäuble für Konsens

Dazu war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht bereit. Er will versuchen, die Amerikaner an Bord zu halten, weil sich die Weltprobleme eben einfacher lösen lassen, wenn die weltgrößte Volkswirtschaft mitmacht. Und tatsächlich hat Mnuchin in Baden-Baden nicht alles blockiert. In der Finanzmarktregulierung beispielsweise will man weiter zusammenarbeiten und auch bei der Förderung von Investitionen in Afrika oder dem Kampf gegen Terrorfinanzierung sind die Amerikaner dabei.

Das sind wichtige Themen und dass sie weiter auf der Agenda bleiben sorgt zumindest im Bundesfinanzministerium für Erleichterung – zumal auch an diesem Wochenende deutlich wurde, dass bei den Amerikanern noch vieles in Bewegung ist. Im Weißen Haus wetteifern Freihandelsgegner mit Freihandelsbefürwortern um die Gunst des Präsidenten und Finanzminister Mnuchin hat sich in Baden-Baden immerhin grundsätzlich zur länderübergreifenden Zusammenarbeit bekannt. Man kann also zumindest hoffen, dass sich die Amerikaner bis zum Gipfel der Regierungschefs im Juli eines Besseren besinnen.

Für Schäuble ist das Grund genug, den Amerikanern eine Chance zu geben. Tatsächlich ist das Gremium derzeit der einzige Ort, der so etwas wie eine globale Entscheidungsfindung ermöglicht und man sollte eine solche Errungenschaft nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Aber klar sein muss auch: Eine Weltregierung die sich ständig selbst blockiert verliert ihre Daseinsberechtigung. Wenn die Vereinigten Staaten kein Interesse an der internationalen Zusammenarbeit haben, dann haben sie in der G20 nichts mehr verloren.