Millionen Minijobber in Deutschland haben trotz eines klaren Rechtsanspruchs keinen bezahlten Urlaub. Auch Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Entgelt an Feiertagen bekommen viele Minijobber nicht – obwohl es ihnen zusteht. Das geht aus einer Minijob-Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen hervor.

Demnach bekamen im Jahr 2016 nur 29 Prozent der rund sieben Millionen Minijobber bei Krankheit weiterhin ihren Lohn. Das Recht auf bezahlten Urlaub nutzten 2016 rund 44 Prozent. Mehr als jeder Zweite tut dies folglich heute nach wie vor nicht. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass die Arbeitgeber kein Entgelt an Feiertagen zahlten.

Gleichwohl verbessert sich die Lage der geringfügig Beschäftigten: Laut einer Vorgängerstudie wurde 2012 bei nur zehn Prozent der Lohn im Krankheitsfall weiterhin gezahlt. Nur 19 Prozent erhielten ihren Urlaub vergütet. "Es hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, aber es ist noch längst nicht alles gut", sagte NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD). 

Wird der Mindestlohn eingehalten?

Den Anfang 2015 eingeführte Mindestlohn haben laut der Studie viele Minijobber erhalten. Der Anteil der Betroffenen mit weniger Lohn als 8,50 Euro die Stunde sank von etwa 50 Prozent (2012) auf nun 14,5 Prozent. 

Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hatte zwei Monate zuvor Gegenteiliges behauptet. Demnach bekam 2015 beinahe jeder zweite Minijobber weniger als 8,50 Euro brutto pro Stunde, die Arbeitgeber damals mindestens zahlen mussten. Jeder Fünfte erhielt demnach nicht einmal 5,50 Euro.

Für Fünf Millionen die einzige Erwerbsquelle

Schmeltzer sagte, dass Arbeitgeber Minijobbern ihre Rechte häufig vorenthalten würden. "Viele Arbeitgeber behandeln Minijobber nach wie vor als Arbeitnehmer zweiter Klasse", sagte der Arbeitsminister Nordrhein-Westfalens. Schmeltzer wolle sich für Verbesserungen und mehr Schutz für Minijobber einsetzen – etwa durch neue Bußgelder für Arbeitgeber bei Verstößen. "Mein Ziel ist nicht, Minijobs abzuschaffen", sagte er. Für viele seien sie auch "eine gewünschte kleine Beschäftigungsform". 65 Prozent schätzten sie als Möglichkeit zum Hinzuverdienst.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund verlangte von der Bundesregierung ebenfalls deutliche Verbesserungen. "Für rund fünf Millionen Menschen ist der Minijob die einzige Erwerbsquelle", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Dabei geht es zum Beispiel um Arbeit auf Abruf, um 100-Euro-Jobs, mit denen heute viele Verkäuferinnen im Einzelhandel durch die Gegend und an ihren Rechten vorbeigeschoben werden."

Die Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung beruht auf Daten aus Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben der Studienautoren sei sie aussagekräftig für die Lage in ganz Deutschland.