Südsudan, Jemen, Nordnigeria, Somalia: Dort ist die Lage am dramatischsten. In allen vier Ländern besteht eine schwere Hungerkrise, Millionen sind akut vom Tod bedroht. Darüber wurde kurze Zeit berichtet, als die Vereinten Nationen am 20. Februar für Teile des Südsudan eine Hungersnot ausriefen. Seitdem ist das Thema wieder in den Hintergrund geraten.

Eine Hungersnot ist die schwerste Form der Nahrungsmittelknappheit. Wird sie offiziell erklärt, sind viele Menschen schon so sehr unterernährt, dass man sie nicht mehr retten kann, viele sterben bereits. 

Auch in Somalia, Jemen und Nordnigeria steht eine solche Krise womöglich kurz bevor. "In modernen Zeiten ist es noch nicht vorgekommen, dass so viele so ernste Krisen gleichzeitig aufgetreten sind", erklärt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (FAO). Dies sei eine "nie dagewesene Herausforderung"

Dabei trifft der Mangel noch mehr Länder. Die FAO schätzt, dass die Nahrungsmittelversorgung in 37 Staaten weltweit gefährdet ist und den Ländern die Mittel fehlen, selbst etwas dagegen zu unternehmen. Sie hängen von ausländischer Lebensmittelhilfe ab oder werden bald von ihr abhängen. 28 der Länder liegen in Afrika, acht in Asien und eins – Haiti – in Lateinamerika. Die Karte zeigt, welche Länder es sind.  

Diese Länder brauchen ausländische Lebensmittelhilfe

Das Frühwarnsystem für Hungersnöte (FEWS NET) schätzt sogar – auf einer etwas anderen Datengrundlage als die FAO –, dass im Jahr 2017 ungefähr 70 Millionen Menschen in 45 Ländern Nahrungshilfe benötigen werden. Das seien 40 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. 

Bessere Ernten, aber kein Zugang zu Nahrung

Die FAO-Daten stammen aus einem Bericht, in dem die Organisation Anfang März die Aussichten für die Ernten und die Nahrungsversorgung weltweit beschrieb. Für den Norden und Süden Afrikas waren die Prognosen durchaus optimistisch: Dort würden sich die Erträge, die 2016 noch unterdurchschnittlich ausgefallen waren, im laufenden Jahr wohl erholen. Doch das muss nicht bedeuten, dass sich die Versorgungslage bessert – denn oft sind die Ursachen für den Hunger nicht schlechte Ernten, sondern Krieg. In Konfliktgebieten, schreibt die FAO, hätten viele gar keinen Zugang zu Nahrung. 

In mehr als der Hälfte der Staaten, die laut FAO auf Hilfe angewiesen sind, sind Kriege und Konflikte ein zentraler Grund für die Nahrungsknappheit – wobei in Ostafrika eine schwere Dürre die Lage verschlimmert: Zum Beispiel in der Zentralafrikanischen Republik, wo wegen schlechter Ernten und anhaltender Gewalt 40 Prozent der Bevölkerung auf Hilfe angewiesen sind, und in ihren Nachbarstaaten, die Flüchtlinge aufgenommen haben. Oder in Mali und den benachbarten Ländern, in Burundi, in der Demokratischen Republik Kongo, in Somalia und in Nigeria, wo die islamistische Terrorgruppe Boko Haram wütet. Und in Asien, wo der Krieg in Jemen, Irak und Syrien das Leben von Millionen Menschen gefährdet. Allein in Syrien benötigten wohl sieben Millionen Menschen in diesem Jahr Nahrungsmittelhilfe, weitere zwei Millionen seien von Hunger bedroht, schätzt die FAO.

Helfer sollen Gebühren zahlen

Auch im Südsudan herrscht seit Jahren Bürgerkrieg, die Nahrungsversorgung von 4,9 Millionen Menschen ist laut FAO ernsthaft gefährdet. Vor allem in den Konfliktregionen, aber auch in den Gebieten, die traditionell Überschüsse produzierten, wegen der anhaltenden Unsicherheit, Störungen des Handels und hohen Preisen.

Die Vereinten Nationen verteilen Lebensmittel und leisten medizinische Hilfe. Seit dem 20. Februar habe man 338.000 Menschen mit Nahrung versorgt, sagte ein Sprecher am vergangenen Freitag in Genf. Doch immer noch stünden mindestens eine Million Menschen im Land an der Schwelle zu einer Hungersnot. 5,5 Millionen seien auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. 

Die Regierung im Südsudan scheint allerdings kein Interesse daran zu haben, dass der Bevölkerung geholfen wird, im Gegenteil:  Ausländische Helfer sollen künftig eine Gebühr von 10.000 Dollar (statt wie bisher 100 Dollar) zahlen, um im Land arbeiten zu dürfen, erklärte der Informationsminister des Landes vor einigen Tagen.