Der vierte Irrglaube ist, ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre wirtschaftlich neutral oder könne positive Wirkungen entfalten. Viele argumentieren, dass vor allem Menschen mit geringen Einkommen und schlecht bezahlten Jobs ihre Arbeit bei einem bedingungslosen Grundeinkommen nur dann fortführen würden, wenn sie höhere Löhne erhielten. So würden sich die Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt von Arbeitgeberseite zu den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verschieben.

Diese Annahme spiegelt jedoch einen blinden und grundlegend falschen Glauben in das Funktionieren von Märkten wider. Umfragen zufolge würden nämlich einige Berufstätige nach der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens überhaupt nicht mehr oder weniger arbeiten. Das würde die Wirtschaftsleistung und damit auch den zu verteilenden Wohlstand in Deutschland reduzieren. Die Erwerbstätigkeit und die Einkommen würden deutlich unter das Niveau von vor 15 Jahren sinken.

Auch ist es höchst unwahrscheinlich, dass Löhne für unangenehme oder gering bezahlte Arbeit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen steigen würden. Bereits heute arbeiten viele Menschen für nur geringfügig mehr Geld, als sie als Erwerbslose bekommen würden – vor allem auch deshalb, weil die Arbeit für sie nicht nur einen materiellen, sondern auch einen ideellen Wert hat.

Grundeinkommen nur für Deutsche?

Nehmen wir das Beispiel der enorm wichtigen Altenpflege, die bereits heute vergleichsweise gering entlohnt wird. Würde ein bedingungsloses Grundeinkommen die Löhne hier steigen lassen? Wahrscheinlich nein. Erst einmal würde die große Mehrheit der Löhne sinken, da Wirtschaftsleistung und Kaufkraft deutlich abnehmen. Bereits jetzt wollen immer weniger Deutsche in der Altenpflege arbeiten, deren Stellen werden entweder durch Zuwanderung oder gar nicht gefüllt. Tätigkeiten, die wegen eines Grundeinkommens von Deutschen nicht mehr gemacht werden wollen, würden so lediglich durch Zuwanderer gefüllt.

Die geringere Beschäftigung unter Deutschen würde lediglich zu einem Anstieg der Zuwanderung anderer EU-Bürgerinnen und -Bürger führen, die die freiwerdenden Stellen ausfüllen würden. Viele Befürworter wollen auch deshalb das bedingungslose Grundeinkommen auf Deutsche beschränken. Das wäre jedoch unvereinbar mit dem europäischen Binnenmarkt und würde Deutschland in eine Zweiklassengesellschaft spalten, ein unhaltbarer Zustand.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist die falsche Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit. Es ist weder egalitär noch liberal noch individualistisch noch wirtschaftlich förderlich. Es würde lediglich die gesellschaftliche Polarisierung zementieren, aber nicht mehr Freiheit und Chancen schaffen.