ZEIT ONLINE: Frau Metzen, US-Präsident Donald Trump hat als Unternehmer jahrelang von billigen Arbeitskräften aus dem Ausland profitiert. Auch die First Lady selbst hat es einst mit einem Arbeitsvisum in die USA geschafft. Jetzt will Trump solche Visa härter regulieren. Wie passt das zusammen?

Eveline Metzen: Zu diesen Fällen kann ich mich nicht äußern. Klar ist aber, dass manche Unternehmen tatsächlich Arbeitsvisa missbraucht haben, um Ausländer zu günstigeren Bedingungen einzustellen, als sie für Amerikaner gelten.

ZEIT ONLINE: Aber wurden Amerikaner benachteiligt, wie Trump nun behauptet?

Metzen: Wenn eine Firma 300 amerikanische Mitarbeiter entlässt, um dann 300 ausländische Mitarbeiter zu niedrigeren Löhnen einzustellen, ist das nicht in Ordnung. Das waren aber nur Einzelfälle. Zu behaupten, Arbeitsvisa seien ein einziges großes Schlupfloch, ist einfach falsch.

ZEIT ONLINE: Worum geht es Trump aktuell genau?

Metzen: Speziell geht es um das H1B-Visum, ein Arbeitsvisum für hochqualifizierte Ausländer. Ziel dieser Regelung ist es, die am besten qualifizierten Menschen aus der ganzen Welt in die USA zu bringen. Das gilt besonders für den Bereich Technologie. Gerade dieNew Economymuss innovativ bleiben, sich entwickeln und forschen können.

Eveline Metzen ist Geschäftsführerin der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (American Chamber of Commerce in Germany). Sie ist außerdem Vorstandsmitglied der Airbus Foundation, Alumna der Baden-Badener Unternehmergespräche und Mitglied des Kuratoriums des Auswandererhauses Bremerhaven. © American Chamber of Commerce in Germany

ZEIT ONLINE: Warum soll die Vergabe jetzt erschwert werden?

Metzen: Das Dekret von Präsident Trump besagt lediglich, dass die Vergabe von H1-B-Visa einer Revision unterzogen werden soll. Er hat die Verwaltung angewiesen, Vorschläge auszuarbeiten, wie man das jetzige System ersetzen kann und wie künftig Amerikaner bevorzugt werden können. Aber welche Kriterien aus seiner Sicht gelten sollen, wissen wir nicht.

ZEIT ONLINE: Welche Kriterien gelten denn bislang?

Metzen: Man braucht mindestens einen Bachelor-Abschluss. Die Vergabe der Visa nach Erfüllung der formalen Voraussetzungen erfolgt dann letztlich in einer Art Lotterie-Verfahren.

ZEIT ONLINE: Genau das kritisiert doch Trump.

Metzen: Das stimmt. Aber es gibt einen Unterschied in der Begründung. Präsident Trump spricht von Lotterie, um Einwanderung generell in ein schlechtes Licht zu rücken. Die Tech-Unternehmen, die die hochqualifizierten Fachkräfte brauchen, kritisieren das Lotterieverfahren, weil es keine ausreichende Verlässlichkeit bietet. Sie wollen einfach die besten Talente aussuchen können.

USA - Trump ordnet Überprüfung von Arbeitsvisa an Für ausländische Fachkräfte soll es schwerer werden, ein Arbeitsvisum in den USA zu bekommen, fordert Donald Trump. Sein Dekret folgt dem Motto "Amerika zuerst". © Foto: Kevin Lamarque/Reuters

ZEIT ONLINE: Wie funktioniert das Verfahren bislang genau?

Metzen: Wenn ein Unternehmen eine Fachkraft sucht, schreibt es eine Stelle aus. Darauf kann sich im Prinzip die ganze Welt bewerben und dann suchen die Firmen die besten aus. Aber die Unternehmen vergeben die Visa nicht selbst. Die Fachkräfte, die von den Firmen gewollt werden, müssen dann diesen Visumsprozess durchlaufen. Das heißt, sie kommen in einen Lostopf. Und die Kritik ist, dass dann nicht anhand von klaren Kriterien entschieden wird.

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist dieses Visum überhaupt für den Arbeitsmarkt in den USA? 

Metzen: Es ist ein großer Faktor. Das US-Arbeitsministerium geht davon aus, dass es in den Bereichen Technologie und Ingenieurwissenschaften bis 2018 rund 2,4 Millionen offene Stellen gibt. Gleichzeitig herrscht in den USA gerade in diesen Bereichen ein Fachkräftemangel. In den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen gibt es große Probleme mit Schul- und Studienabbrechern. Die Höhe der Quote für H1-B-Visa hört sich mit rund 85.000 im Jahr gering an, aber der Trend zeigt, dass diese hoch qualifizierten Arbeitskräfte weiterhin gebraucht werden.