Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft scharf kritisiert. Deutschland müsse erkennen, "dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist", sagte der unabhängige Kandidat den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Eurozone und erziele sehr hohe Handelsüberschüsse. "Die sind weder für seine eigene Wirtschaft gut noch für die Wirtschaft der Eurozone", sagte er. "Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden."

Macron will Deutschland jedoch auch entgegenkommen und selbst Strukturreformen einleiten. "Solange wir die hinauszögern, können wir nicht auf das Vertrauen der Deutschen setzen, die wir in diesem Punkt bereits 2003 und 2007 enttäuscht haben." Er bekräftigte seine Absicht, den französischen Arbeitsmarkt mit einer Qualifizierungsoffensive anzukurbeln.

Eine Übertragung der deutschen Hartz-IV-Gesetze lehnte Macron aber ab. Mit den Hartz-Reformen wurde vor rund zehn Jahren in Deutschland unter anderem die Bezugsdauer des Arbeitslosengelds gekürzt und die Unterstützung für Langzeitarbeitslose auf das Niveau der Sozialhilfe gesenkt.

Der 39-jährige Macron tritt bei der Präsidentschaftswahl als Parteiloser an. Laut Umfragen könnte der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker die Rechtspopulistin Marine Le Pen im entscheidenden zweiten Wahlgang am 7. Mai schlagen. Nach eigener Aussage ist er "weder rechts noch links". Mit seiner Bewegung En Marche! tritt er für Europa und damit auch für eine enge Partnerschaft mit Deutschland ein.