Die große Mehrheit der Alleinerziehenden mit einem Kind kann von einem Vollzeitjob mit Mindestlohn nicht leben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion hervor, wie die Rheinischen Post berichtet. Das Einkommen reicht demnach nicht aus, um Lebenshaltungs- und Wohnkosten zu decken.  

In der Rechnung werden Steuern, Abgaben, Freibeträge und Lebenshaltungskosten berücksichtigt, sodass bei einem Alleinerziehenden mit einem Bruttolohn von 1.444 Euro noch 339 Euro für die Kosten von Wohnung und Heizung übrig bleiben. Bei 87 Prozent der Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender mit einem Kind aber lägen die von den Behörden anerkannten Wohnkosten höher, geht aus der Antwort der Bundesregierung hervor.

"Wer für Mindestlohn Vollzeit arbeitet, kann aus eigener Arbeit die grundlegendsten Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf nicht bezahlen", sagte der Vizefraktionschef der Linken im Bundestag, Klaus Ernst. Er forderte einen "Mindestlohn von zwölf Euro, um den Niedriglohnsektor in Deutschland einzudämmen, um arbeitende Menschen aus Transferleistungen herauszuholen und ihnen eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu ermöglichen".

1,18 Millionen Erwerbstätige bekommen Zuschüsse

Sogar für Singles in Vollzeittätigkeit mit Mindestlohn ist es laut der Zeitung schwierig, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Bei einem Bruttoeinkommen von 1.444 Euro bleiben nach Berechnung der Bundesregierung 368 Euro für Wohnen und Heizen. Bei 39 Prozent der Bedarfsgemeinschaften Alleinstehender erkennen demnach die Behörden höhere Wohnkosten an.

Flächendeckend sei dies in Hessen, Berlin und Hamburg der Fall sowie in 46 Städten und Kreisen. Insgesamt leben nach Angaben der Bundesregierung in Deutschland 1,18 Millionen Menschen, die ergänzende Leistungen für Erwerbstätige benötigen. Darunter fallen auch jene, die nur in Teilzeit beschäftigt sind.