Die Insolvenz der Drogeriekette Schlecker könnte auch ein Verfahren in Österreich zur Folge haben: Das Landgericht im österreichischen Linz hat eine Zivilklage gegen drei Familienmitglieder des ehemaligen Drogerieunternehmers Anton Schlecker zugelassen. Die Sprecherin des Gerichts bestätigte einen entsprechenden Spiegel-Bericht.

Die Klage wurde vom Insolvenzverwalter der österreichischen Schlecker-Tochter Dayli, Rudolf Mitterlehner, eingereicht. Dem Bericht zufolge richte sie sich gegen Schleckers Frau und die beiden Kinder. Mitterlehner fordere 20 Millionen Euro Schadenersatz von der Familie Schlecker, schreibt der Spiegel. Zwischen 2008 und 2011 seien mittels Scheindarlehen Gelder von der Schlecker-Tochter in Österreich nach Deutschland abgezweigt worden sein. Der Insolvenzverwalter nannte einen entstandenen Schaden von bis zu 172 Millionen Euro.

"Das Gericht soll klären, ob die Familie für diese Abflüsse haftet", sagte Mitterlehner. Die Anwälte der Familie Schlecker halten die Klage in Österreich hingegen für unbegründet.

Die einstige Drogerie-Familie muss sich derzeit auch in Stuttgart wegen vorsätzlichem Bankrott, Betrug und Insolvenzverschleppung vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem einstigen Marktführer vor, bereits seit 2000 in der Krise gesteckt und spätestens Ende 2009 vor dem Aus gestanden zu haben. In der Anklage ist von fast einer Milliarde Euro Verbindlichkeiten die Rede, mit denen das Unternehmen Ende 2010 überschuldet gewesen sein soll. Insolvenz hatte der eingetragene Kaufmann Schlecker aber erst 2012 angemeldet – und soll vorher Teile seines Vermögens vorsätzlich beiseitegeschafft haben.

Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Anton Schlecker sagte vor Gericht: "Dass dieses Unternehmen wirklich kaputtgehen könnte, war für mich völlig unvorstellbar." Ihm droht im Fall einer Verurteilung etwa wegen betrügerischen Bankrotts in einem schweren Fall eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.  

Als die Drogeriemarktkette Schlecker vor fünf Jahren schließlich pleiteging, war das Schicksal der Beschäftigten lange Zeit ungewiss. Letztlich verloren etwa 25.000 Menschen ihre Arbeit.