Thomas Middelhoff ist zurück im Essener Landgericht. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn wegen Anstiftung zur Untreue an. Es geht um knapp 2,3 Millionen Euro, die ihm der Aufsichtsrat von Arcandor auf sein Drängen hin als Sonderbonus zugebilligt haben soll, als er aus der Unternehmensführung ausschied. Wenige Monate später war der Konzern pleite.

Ebenfalls angeklagt sind sechs ehemalige Aufsichtsratsmitglieder, darunter der Ex-Chef des Kontrollgremiums, Friedrich Carl Janssen, und der Ehemann der Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz, Leo Herl. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die Aufsichtsratsmitglieder der Untreue: wegen der Erfolgsprämie für Middelhoff, aber auch wegen einer ähnlichen Zahlung an den früheren Finanzvorstand des Konzerns. Insgesamt geht es damit um Bonuszahlungen in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro.

Die Manager hätten keinen Anspruch auf das Geld gehabt und die Zahlungen hätten für das Unternehmen auch wirtschaftlich keinen Nutzen gebracht, begründete die Staatsanwaltschaft ihre Anklage. Das sei den Aufsichtsratsmitgliedern auch bewusst, aber gleichgültig gewesen. Ihr Ziel habe darin bestanden, das Gehaltsgefüge trotz der Turbulenzen, in denen sich Arcandor befand, auf gleichmäßigem Niveau zu halten. Dabei hätten sie "Vermögensverluste großen Ausmaßes" in Kauf genommen und damit ihre Pflichten verletzt.

Untreue, aber auch die Anstiftung dazu, kann mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Insgesamt sind für den Prozess 34 Verhandlungstage vorgesehen. Mit dem Urteil wird erst kurz vor Weihnachten gerechnet.

Erst im November 2014 war Middelhoff vom Landgericht Essen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte sich private Reisen sowie eine Festschrift von Arcandor finanzieren lassen. Vor fast genau einem Jahr – am 13. Mai 2016 – trat er die Haft an. Middelhoff verbüßte die Strafe praktisch von Beginn an im offenen Vollzug und arbeitet tagsüber als Freigänger in einer Behindertenwerkstatt in Bielefeld. Aufgrund der zuvor verbüßten fünfmonatigen Untersuchungshaft könnte er in absehbarer Zeit auf Bewährung entlassen werden.

Tiefer Fall eines Ex-Topmanagers

Noch vor wenigen Jahren galt der 64-Jährige als einer der einflussreichsten Firmenlenker Deutschlands. Zunächst als Bertelsmann-Chef, dann als Investmentbanker in London, bevor er die Leitung des angeschlagenen Warenhaus-Konzerns KarstadtQuelle – später in Arcandor umbenannt – übernahm. Das war der Wendepunkt in Middelhoffs Karriere. Anfang 2009 verließ er den Konzern, wenige Monate später meldete der Insolvenz an. Die akribische Bestandsaufnahme des Insolvenzverwalters führte dann zum ersten Strafprozess, in dem Middelhoff nicht zuletzt wegen teurer Privatflüge auf Firmenkosten verurteilt wurde. 

Middelhoff, der einst Millionen verdiente, musste 2015 Privatinsolvenz anmelden. Mehr als 50 Gläubiger haben nach Angaben von Insolvenzverwalter Thorsten Fuest Forderungen von mehr als 400 Millionen Euro geltend gemacht – ein Großteil davon ist allerdings umstritten. Das Verfahren dauert an. 

Hinweis: In der ursprünglichen Version dieses Textes war eine Passage zur Verurteilung Middelhoffs im Jahr 2014 ungenau beschrieben. Wir haben den Absatz präzisiert.