ZEIT ONLINE: Frau Miller, Sie haben ihre Crowdfundig-Kampagne Best for Britain vor zwei Wochen ins Leben gerufen. Wie läuft es seit dem?

Gina Miller: Außergewöhnlich gut. Wir hatten mit 25.000 oder 30.000 Pfund gerechnet – nach 24 Stunden hatten wir aber bereits 150.000 Pfund. Durchschnittlich spenden die Leute 30 Pfund, mehr als 11.000 Menschen sind unserem Aufruf bereits gefolgt. Da die Wahlkommission aber eine Obergrenze von 390.000 Pfund vorschreibt, dürften wir die Summe in ein paar Tagen bereits zusammen haben.

ZEIT ONLINE: Sie wollen mit dem Geld Abgeordnete unterstützen, die sich nach der Neuwahl des Parlaments gegen einen harten Brexit stellen. Warum kommt das so gut an?

Miller: Zu Beginn wollte ich sehen, ob die Leute überhaupt verstehen, worum es in dem Projekt geht. Dass jetzt so viele unsere Kampagne nicht nur gut finden, sondern auch finanzieren, sagt eine Menge aus. Zum Beispiel darüber, dass die Gesellschaft im Kern nicht nur parteipolitisch gestrickt ist, sondern sich durchaus auch nach Prinzipien richtet. Die Kampagne zeigt, dass die Briten etwas bewegen wollen. Sie möchten sich engagieren und Rechenschaft von der Regierung verlangen.

ZEIT ONLINE: Wann kam die Entscheidung, Best for Britain ins Leben zu rufen?

Miller: Die Idee kam, als Theresa May die vorgezogene Parlamentswahl ankündigte. Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, dass die Tories die Wahlen am 8. Juni gewinnen werden. Bis dahin können wir aber versuchen, ihre Mehrheit im Parlament zu verringern. Das müssen wir, sonst wird die kommende Regierung tun können, was sie will – und das nicht nur beim Thema Brexit. Wir müssen verhindern, dass aus dem Parlament ein stumpfes Ja-Sager-Haus wird. Die Opposition bewirkt nichts, deshalb muss hier die Zivilgesellschaft übernehmen.

ZEIT ONLINE: Welche Ziele verfolgen sie konkret?

Miller: Wir wollen Kandidaten unterstützen, die sich im Parlament inhaltlich mit den Verhandlungen beschäftigen und sicherstellen, dass alle Optionen, die beim Brexit infrage kommen, diskutiert werden. Wir brauchen Abgeordnete, die am Ende der Brexit-Verhandlungen nicht schlicht einen Vertrag vorgelegt bekommen wollen, bei dem sie mit Ja oder Nein abstimmen können. Wir brauchen Parlamentarier, die im Zweifel den Mut haben, auf Nachverhandlungen zu bestehen. Alle verfügbaren Optionen müssen auf dem Tisch liegen, passiert das nicht, darf ein harter Brexit nicht einfach in Kauf genommen werden. Außerdem wollen wir die Bürger dazu animieren, auch wirklich wählen zu gehen. In den vergangenen zwei Jahren hat es in Großbritannien Parlamentswahlen, das EU-Referendum und Regionalwahlen gegeben. Das könnte zu Wahlmüdigkeit führen, die am 8. Juni bemerkbar wird. Es ist uns besonders wichtig, junge Menschen zu erreichen, da die Folgen des Brexits sie ja besonders stark treffen.

ZEIT ONLINE: Was wäre für sie ein Traumergebnis?

Miller: Eine hohe Wahlbeteiligung mit vielen jungen Menschen, die gewählt haben. Es wäre großartig, wenn die Tories einen Vorsprung von nur 20 bis 30 Sitzen hätten.