Der Plan ist gigantisch: Investitionen im Wert von umgerechnet 111 Milliarden Euro hat Chinas Führung den Staaten entlang der antiken Seidenstraße zugesagt. Ziel ist es, die Handelswege zwischen gleich drei Kontinenten auszubauen. Konkret geht es um zwei Routen: den Landweg über die zentralasiatischen Länder, dem Iran und die Türkei nach Europa sowie den Seeweg über Südasien und das Horn von Afrika in Richtung Mittelmeer.

Und das ist erst der Anfang, wie es der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping auf dem gerade beendeten internationalen Gipfel One Belt, one Road – ein Gürtel, eine Straße – anklingen ließ: Bei den 100 Milliarden soll es nicht bleiben. China will ganz Eurasien und Teile Afrikas mit Straßen und Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge verbinden, in Häfen, Containerterminals, und Flughäfen investieren, ebenfalls in Kraftwerke, Pipelines und Computernetzwerke.

Sollte die chinesische Regierung wirklich alles verwirklichen, was ihr vorschwebt, wird nach Ansicht der Asian Development Bank (ADB) bis 2030 ein Investitionsvolumen von mehr als 24 Billionen Euro nötig sein. Einen Großteil davon wollen tatsächlich die Chinesen übernehmen.

Chinas neue Seidenstraße

Über Land und zur See: Die geplanten Routen der chinesischen Seidenstraße

Tritt das tatsächlich ein, würde China damit das größte Konjunkturprogramm der Menschheitsgeschichte stemmen.

Klar ist aber auch: Das geschieht dann nicht ohne Eigennutz. Den Chinesen geht es um die Erschließung neuer Absatzmärkte für die an Überkapazitäten leidende heimische Industrie. Zugleich aber dürfte der Bau neuer Schienen und Straßen nicht nur den Handel zwischen China und Europa ankurbeln, sondern auch für neue Entwicklungsschübe vor allem in den Ländern Zentralasiens sorgen. Auch deutsche Unternehmen, die bei Maschinen etwa für den Bau von Hochgeschwindigkeitszügen oder Tunnelbohrungen führend sind, dürften mit vielen neuen Aufträgen zum Zuge kommen.

Man will nicht mehr die Werkbank der Welt sein

Eine vielversprechende Win-Win-Situation also für alle Seiten – wäre da nicht ein weiterer Masterplan, den die chinesische Führung mit ebenso großer Verve vorantreibt: Made in China 2025.

Diese industriepolitische Strategie sieht vor, dass China in den nächsten Jahrzehnten zur führenden Industrienation aufsteigt. In einem ersten Schritt sollen bis 2025 rund 70 Prozent der in China genutzten High-Tech-Produkte sowie die meisten wichtigen Werkstoffe auf heimischem Boden hergestellt werden. Pekings Ziel: China soll nicht mehr nur als Werkbank der Welt herhalten, sondern auch zum Marktführer in anspruchsvollen Industriezweigen aufsteigen. Das sind die Informationstechnologie, die Herstellung von Robotern und anderen computergesteuerten Maschinen, von Elektrofahrzeugen und medizinischem Gerät. Dazu will man Hightech-Ausrüstung für Flugzeuge, die Raumfahrt und das Militär selbst produzieren.

Diese Hightechrevolution ist in China bereits in vollem Gang: Schon jetzt beklagen deutsche Firmen aus der Gesundheitstechnik, dass chinesische Krankenhäuser ihre Geräte nicht mehr abnehmen, sondern die Anweisung erhalten haben, ausschließlich chinesische Produkte zu erwerben. Aus anderen Branchen sind ähnliche Klagen zu hören.