Die deutsche Wirtschaft wünscht sich vom neuen französischen Präsidenten den Mut zu einem politischen Umbau im Nachbarland. "Wenn sich der Reformstau in Frankreich in den kommenden Jahren auflösen würde, wäre das ein ermutigendes Signal für die wirtschaftliche Entwicklung Europas, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. "Damit könnte sich Europa weiter aus der Krise arbeiten und die EZB zu einem normalen Zinsniveau zurückkehren." Ein wettbewerbsfähiges und stabiles Frankreich sei zudem ein wichtiger Partner, um international für Offenheit zu werben.

"Ich wünsche unserem Nachbarland, dass es unter dem neuen Präsidenten zu alter Stärke zurückkehrt", sagte der Verbandschef der Familienunternehmer, Lutz Goebel. Die Europäische Union brauche ein wirtschaftlich starkes Frankreich, aber keine neuen Ideen zu einer Eurotransferunion, wie sie Macron im Wahlkampf geäußert habe. Impulse benötige vor allem der Arbeitsmarkt. Das Thema Arbeitslosigkeit könne nur durch mutige Reformen gelöst werden. Was der künftige Präsident als Wirtschaftsminister mit dem sogenannten Macron-Gesetz angestoßen habe, müsse nun fortgeführt werden. "Ohne Arbeitsmarktreformen wird Macron enden wie Hollande, und Frau Le Pen würde dadurch noch stärker", sagte Goebel.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erhofft sich einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den neuen Präsidenten. "Für die Zukunft Europas ist es entscheidend, dass der deutsch-französische Motor wieder mit voller Kraft fährt. Paris und Berlin müssen an einem Strang ziehen", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. "Wir in Deutschland wünschen uns ein starkes Frankreich in Europa", sagte er weiter.

Frankreich - Für ein europäisches Projekt Emmanuel Macron will die EU reformieren, um sie zukunftsfähig zu machen. Auch das eigene Land will er umbauen. Wie groß sein Handlungsspielraum ist, zeigt unser Video.

"Dies ist ein guter Tag für Frankreich, für Deutschland und für ganz Europa. Mit Emmanuel Macron hat Frankreich nun einen Präsidenten, der die besten Voraussetzungen mitbringt, um die Wirtschaft Frankreichs zu erneuern und Europa zu reformieren", sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Macron stehe vor ähnlichen Herausforderungen wie der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Es seien harte Wirtschaftsreformen und ein Mentalitätswandel in Frankreichs Wirtschaft nötig.

"Mit dem Sieg von Emmanuel Macron ist die Gefahr einer tiefen politischen und ökonomischen Krise für Frankreich und die gesamte EU abgewendet. Nun steht der Präsident vor der schwierigen Aufgabe, Frankreich zu reformieren, um die wirtschaftlichen Probleme des Landes zu überwinden, sagte Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts. Wenn ihm das gelingt, werde ganz Europa davon profitieren.

Viele Details der Wirtschaftspolitik noch unbekannt

An den Börsen stand der Kurs des Euro nach der Wahl Macrons kurz über der Marke von 1,10 Dollar. Am Montagmorgen war der Wechselkurs für die Gemeinschaftswährung wieder auf dem Stand von Freitag. Viele Ziele, die Macron mit seiner Wirtschaftspolitik erreichen möchte, sind noch wenig konkret. So schlägt er eine Konsultationsphase von sechs bis zehn Monaten in allen EU-Staaten vor. Daraus solle eine wirtschaftliche Perspektive für die EU für die kommenden fünf Jahre entstehen.

Im Juni stehen in Frankreich Parlamentswahlen an, sollte seine Bewegung En Marche dabei keine Mehrheit erzielen, ist Macron allerdings auf Kompromisse im Parlament angewiesen. Auch ist unklar, ob er bei seinen Vorhaben den Linien der EU folgt.

Im Wahlkampf hatte Macron eine tiefere Integration der Eurozone gefordert. So soll es für den Währungsraum einen eigenen Etat und ein Parlament geben. Diese Idee hatte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) angeregt. Genau Details zu der Idee Macrons lassen sich aus seinem Wahlprogramm nicht erkennen, schreibt das Centrum für Europäische Politik (Cep) in einer Analyse.