Die deutschen Unternehmen, die in Russland ansässig sind, sehen eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Das spiegelt sich auch in jüngsten Zahlen wider: Der Warenverkehr zwischen beiden Ländern stieg in den ersten beiden Monaten des Jahres um 43 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr, wie die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) bekannt gab. Die Zahlen des deutschen Bundesamts für Statistik unterscheiden sich von denen der russischen Behörden, weisen aber ebenfalls einen deutlich positiven Trend auf: Demnach ist der Warenverkehr zwischen Deutschland und Russland um 37,3 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro gestiegen.

Der AHK-Vorstandsvorsitzende Matthias Schepp sagte: "Die aktuellen Handelszahlen decken sich auch mit dem Eindruck der deutschen Wirtschaft vor Ort, dass es wieder aufwärts geht." Einer Umfrage unter in Russland aktiven deutschen Unternehmen zufolge erwarten 63 Prozent in diesem Jahr steigende Umsätze.

Die AHK erklärt den deutlichen Anstieg unter anderem mit den höheren Ölpreisen, wodurch sich die russischen Exporte erholt hätten. Dadurch stabilisiere sich auch die Wirtschaft des Landes insgesamt nach zwei Rezessionsjahren allmählich wieder. Experten rechnen in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent.

Die Europäische Union und die USA hatten im März 2014 Sanktionen gegen Russland verhängt, nachdem die Krim annektiert wurde und der Krieg in der Ostukraine begann. Deutsche Unternehmen befürchten, dass sie aufgrund der Sanktionen dauerhaft Marktanteile an die Konkurrenz verlieren könnten – beispielsweise an Firmen aus China. Auch deutsche Politiker, darunter der ehemalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, forderten ein schrittweises Ende der Sanktionen.

Seit 2012 hatten sich die deutschen Exporte nach Russland von 38 auf rund 21,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr nahezu halbiert. Die Zahl deutscher Unternehmen, die in Russland einen oder mehrere Standorte haben, nahm in diesen Jahren von rund 6.000 auf 5.500 ab.

Im Januar und Februar dieses Jahres verzeichnete die russische Zollbehörde wieder einen Anstieg: Die Exporte aus Deutschland sind demnach um mehr als 26 Prozent gestiegen, die Exporte aus Russland um rund 55 Prozent. Damit stieg im selben Zeitraum auch der Anteil Deutschlands am russischen Außenhandel um 0,6 Prozent auf 9,3 Prozent.

Putin und Merkel wollen enger zusammenarbeiten

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin hatten in dieser Woche den Willen zur Zusammenarbeit geäußert – trotz aller Meinungsverschiedenheiten in der Ukraine-Krise oder dem Krieg in Syrien.

Putin sagte in Sotschi, Deutschland sei ein führender Wirtschaftspartner Russlands. Gemeinsam mit Merkel erklärte der russische Staatschef, sie wollten bei der Vorbereitung des G20-Gipfels in Hamburg zusammenarbeiten und die wirtschaftlichen Beziehungen fördern.