Deutsche Konzerne sollen mithilfe von Tochterfirmen auf Malta ihre Steuerlast in Deutschland drücken. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf Tausende Dokumente, die dem europäischen Recherchenetzwerk EIC zugespielt wurden. Die sogenannten Malta Files gäben Aufschluss über zahlreiche Firmeninhaber auf Malta. Unter ihnen seien aktuell oder in der Vergangenheit Dax-Konzerne wie BMW, BASF, Deutsche Bank, Puma und Merck. 

Auch Großunternehmen wie Bosch, K+S oder die Rüstungsfirma Rheinmetall sollen Tochterfirmen auf der Insel haben, die Kritiker als Steueroase betrachten. Allein die Lufthansa habe auf Malta 18 Unternehmenstöchter, etwa die Flugzeugwartung, das Flugzeug-Leasing oder die firmeneigene Pensionskasse, heißt es in dem Bericht.

Malta, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, besteuert Gewinne von ausländischen Unternehmen mit lediglich fünf Prozent – wenn die Unternehmen auch tatsächlich Geschäfte auf der Insel machen. Dem Spiegel zufolge gibt es jedoch Zweifel daran, dass die Unternehmenstöchter auf Malta wirklich alle operativ tätig sind. So teilten sich etwa die Malta-Ableger von Autovermieter Sixt, dem Chemiekonzern BASF und dem Geflügelproduzenten Erich Wesjohann nicht nur eine Büroetage, sondern auch eine Klingel. Viele der anderen Firmentöchter auf Malta stünden gar nicht im Telefonbuch oder seien nicht erreichbar.

Die besagten Unternehmen versicherten laut Spiegel, dass ihre Geschäfte auf Malta legal und die Tochterfirmen den deutschen Steuerbehörden bekannt seien. Malta ist noch bis Ende Juni EU-Ratspräsident und hat Versuche anderer Mitgliedsstaaten, seine Steuerprivilegien abzuschaffen, erfolgreich abgewehrt. Der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjahns, der in der Vergangenheit mehrfach aus dem Ausland CDs mit Daten von deutschen Steuerhinterziehern angekauft hat, hatte Malta kürzlich als "Panama Europas" bezeichnet.