Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor einem Ermüden im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel gewarnt. "Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft", sagte Merkel in Berlin, wo sich anlässlich des Petersberger Klimadialogs Vertreter aus mehr als 30 Ländern trafen, um den UN-Klimagipfel im Herbst vorzubereiten. Es bleibe noch viel zu tun, um die Verpflichtungen des Pariser Weltklimavertrags zur Begrenzung der Erderwärmung umzusetzen, sagte Merkel: "Jetzt kommt die Probe aufs Exempel."

Ohne die USA direkt beim Namen zu nennen – Merkel sprach aber vom "Elefant im Raum" – sagte die Kanzlerin: "Wir können eine vernetzte Welt nicht infrage stellen." Sie werde während der deutschen G20-Präsidentschaft versuchen, auch Zweifler der Klimaveränderung zu überzeugen. "Da bleibt immer wieder Arbeit." Es sei aber ratsam, klug und zurückhaltend mit Washington zu verhandeln. Weltweit gibt es Befürchtungen, US-Präsident Donald Trump könnte aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen.

Eine strengere Klimaschutzpolitik – durch Investitionen wie zum Beispiel in erneuerbare Energien, Leitungsnetze oder umweltfreundlichen Verkehr – würde sich laut einer OECD-Studie auch wirtschaftlich auszahlen. Werde aktiver Klimaschutz in die allgemeine Wirtschaftspolitik integriert, sei das Wachstum mittel- und langfristig höher als ohne zusätzliche Klima-Investitionen, fasst die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Ergebnis einer Untersuchung zusammen.

Die OECD berechnete die Wirtschaftsleistung in den 20 führenden Industrie- und Schwellenländern (G20). Ein Ergebnis: Mit mehr Klimaschutz werde das Bruttoinlandsprodukt bis 2021 im Schnitt um ein Prozent und bis 2050 um 2,8 Prozent höher liegen als ohne die empfohlenen Maßnahmen. Kalkuliere man die durch Klimaschutz vermiedenen Schäden ein, sei sogar mit einem Plus von 4,7 Prozent zu rechnen.

Die Studie Investing in Climate, Investing in Growth wurde von der OECD im Rahmen des deutschen G20-Vorsitzes erstellt und anlässlich des Petersberger Klimadialogs vorgestellt. "Der Bericht widerlegt die Annahme, dass Klimaschutz Wachstum behindert, und zeigt, dass eine klimafreundliche Wachstumsstrategie sogar positive ökonomische Effekte haben kann", sagte OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría. Die Studie belege, dass sich Klimaschutz auszahle, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Die Staaten hätten jetzt die "große Chance, wirtschaftliches Wohlergehen und Klimaschutz miteinander zu verbinden".

Klimaschützer begrüßten die Studie. Sie zeige, dass das Pariser Klimaschutzabkommen, mit den richtigen Maßnahmen umgesetzt, zum Wachstumsmotor werde, sagte Jan Kowalzig, Klimaexperte der Organisation Oxfam. Wenn es Donald Trump wirklich darum gehe, "Amerika wieder groß zu machen, Arbeitsplätze zu sichern und das Wachstum zu fördern, belässt er die USA nicht nur im Pariser Klimaschutzabkommen, sondern verdoppelt die Geschwindigkeit bei der Dekarbonisierung der amerikanischen Wirtschaft". Auch Deutschland sei gefordert, den Ausstieg aus der Kohle weiter voranzutreiben, die erneuerbaren Energien schnell auszubauen und die Autoindustrie nicht vor Klimaschutzstandards zu schützen.