Jahrelang soll Daniel M. als Spion des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) in Deutschland tätig gewesen sein.  Die Zeitung Blick meldete am Sonntag unter Berufung auf den deutschen Anwalt des Verdächtigen, sein Mandant werde beschuldigt, er habe den Auftrag gehabt, deutsche Steuerfahnder zu identifizieren, die am Ankauf von Bankdaten beteiligt waren. Sein Mandant solle entsandt worden sein, "um hier herauszufinden, welche Steuerfahnder die Steuer-CDs kauften und wie diese Käufe genau abliefen", sagte der Anwalt.

Die Festnahme des 54-jährigen Schweizers erfolgte laut Bundesanwaltschaft "wegen mutmaßlicher geheimdienstlicher Agententätigkeit" für "den Geheimdienst einer fremden Macht". In diesem Zusammenhang seien auch mehrere Wohn- und Geschäftsräume in Frankfurt sowie im Wetteraukreis durchsucht worden. An dem Einsatz beteiligt waren demnach Beamte des Bundeskriminalamts. Gegen Daniel M. lag laut Bundesanwaltschaft bereits seit dem 1. Dezember ein Haftbefehl vor. 

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) warf der Schweiz vor, deutsche Steuersünder weiterhin zu schützen: "Wenn die Schweiz zum Schutz von Steuerhinterziehern und deren Helfershelfern mit Geheimdienstaktivitäten und Spionage gegen unsere Fahnder antwortet, ist das nicht gerade ein Beleg für den vehement propagierten Sinneswandel der Eidgenössischen Finanzindustrie", kommentierte er im Blick.

NRW-Finanzverwaltung will weiterhin Steuerdaten kaufen

Der Rheinischen Post sagte Walter-Borjans: "Wenn Nachrichtendienste Spione beauftragen, in Deutschland Steuerfahnder zu bespitzeln, muss man sich doch fragen, in wessen Interesse sie handeln. Im Namen der Steuergerechtigkeit ja wohl kaum." Davon werde sich die Landesregierung jedoch nicht einschüchtern lassen. Die NRW-Finanzverwaltung erwerbe Steuer-CDs, "weil sie Steuerhinterziehung nicht anders aufklären kann". 

Seit Januar 2006 hatten mehrere Bundesländer sogenannte Steuersünder-CDs mit gestohlenen Kundendaten aus der Schweiz und Liechtenstein angekauft. Besonders Nordrhein-Westfalen kauft regelmäßig Bankdaten – teilweise für Millionenbeträge. Nach Angaben des Düsseldorfer Landesfinanzministeriums summierten sich dadurch ausgelöste Steuernachzahlungen und Geldbußen bis Mitte 2015 auf mehr als 1,8 Milliarden Euro.

Das von der Schweiz kritisierte Vorgehen war politisch lange hoch umstritten, von höchsten deutschen und europäischen Gerichten allerdings als juristisch zulässig anerkannt worden.