Jeder Fünfte der rund 16,5 Millionen Deutschen mit Riester-Vertrag zahlt derzeit keine Beiträge ein. Damit haben mehr als drei Millionen Menschen ihre private Altersvorsorge ausgesetzt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Sie bezeichnet die Riester-Rente als gescheitert. "Grundsätzlich hat nur knapp die Hälfte der Förderberechtigten überhaupt einen Riester-Vertrag abgeschlossen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Viele, die einen Vertrag haben, können irgendwann die Beiträge nicht mehr aufbringen." Zimmermann führt das unter anderem auf die prekäre Situation von Geringverdienern zurück. Diese bräuchten das Geld für ihr tägliches Überleben.

In dieser Woche stellt die SPD ihr Rentenkonzept für den Wahlkampf vor. Das Verhältnis der privaten zur gesetzlichen Altersvorsorge dürfte darin eine zentrale Rolle spielen. Knapp vier Monate vor der Bundestagswahl hatte die große Koalition drei größere Rentengesetze auf den Weg gebracht. Mit der Stärkung der Betriebsrenten will sie insbesondere Geringverdiener besser vor Altersarmut schützen. Außerdem soll bis 2025 das Rentenniveau in Ost- und Westdeutschland angeglichen werden. Zudem werden die Leistungen für Menschen ausgebaut, die vor dem Eintritt ins Rentenalter eine Erwerbsminderungsrente beziehen.

Dennoch rechnen Experten nicht damit, dass das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahren sinken wird. Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) fordert, ein zu starkes Absinken des Rentenniveaus und ein zu starkes Ansteigen der Beiträge zu verhindern. Dafür schlägt sie Steuerzuschüsse in Milliardenhöhe vor. Nahles hält außerdem an der Beibehaltung der gesetzlichen Rente einerseits und betrieblichen Vorsorge andererseits als wichtige Säulen der Altersvorsorge fest.

Die Linken-Politikerin Zimmermann fordert, die gesetzliche Rente zu stärken. Sie schlug vor, das Rentenniveau auf mindestens 53 Prozent anzuheben und die Rente ab 67 abzuschaffen. Außerdem setze sich Zimmermann für die Einführung einer solidarischen Mindestrente ein. Das Rentenniveau stellt dar, in welchem Verhältnis die Standardrente zum Durchschnittsverdienst der Beitragszahler steht.