Ein Drittel des deutschen Stromverbrauchs stammt aus erneuerbaren Energien. Das ist heute für jedermann sichtbar. Rund 25.000 Windräder und annähernd 1,5 Millionen Solaranlagen stehen in ganz Deutschland verteilt. Dies verändert nicht nur das Städte- und Landschaftsbild, sondern auch die Anforderungen an die Stromnetze. Netzengpässe werden vom Ausnahme- zum Regelfall, weil die Schwankungen des Wind- und Sonnenstroms auszugleichen sind. Und es wird teuer. Nicht weniger als 40 Milliarden mussten die Deutschen im letzten Jahr alleine für die Investitionen in die Erneuerbare-Energie-Anlagen und den Betrieb, Erhalt und Ausbau der Stromnetze ausgeben.

Erzeuger und die Anwohner der Anlagen, Netzbetreiber und vor allem die deutschen Stromverbraucher – sie alle müssen ihren Beitrag zur Energiewende leisten. Die ist zurecht als Gemeinschaftswerk beschrieben worden: Alle sollen mitmachen können. Alle sollen von den Chancen profitieren können, müssen sich aber auch an den Kosten beteiligen.

Problematisch wird es aber, wenn das Gemeinschaftswerk in einer zentral gesteuerten Planwirtschaft ausufert. Wie real diese Gefahr ist, zeigt ein Blick auf die Endverbraucherpreise. Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt nach Angaben des Stromvergleichsportals Verivox im Jahr 1.100 Euro für seinen Strom. Gerade mal 185 Euro davon fließen in den eigentlichen Strommarkt. Über 80 Prozent hingegen gehen für Steuern, Abgaben, Entgelte und Umlagen drauf, die der Staat direkt oder indirekt festlegt – in der Summe ergibt sich ein Betrag von weit über 60 Milliarden – das ist in der Größenordnung des gesamten Bruttoinlandprodukts eines Landes wie Kroatien. Bei einer solch starken Rolle des Staates haben es Wettbewerb und Innovation zwangsläufig schwer.

Wer Energie spart, macht die Energiewende teurer

Das Problem wird noch größer, wenn es sich der Staat bei der Verteilung der Kostenbeiträge so leicht macht wie bisher. Er erhebt die Steuern, Abgaben und Entgelte pauschal auf die einzelne Kilowattstunde. Für den Staat wie für die Netzbetreiber gilt deshalb die Regel: Je mehr Kilowattstunden Strom verbraucht werden, umso besser. Denn umso höher sind die Einnahmen aus der Strom- und Mehrwertsteuer (für den Bundeshaushalt), der Konzessionsabgabe (für die Kommunen) und den Netzentgelten (für die Netzbetreiber).

Man stelle sich vor, die Verbraucher nähmen die Bundesregierung beim Wort, die Einsparungen beim Stromverbrauch mit dem Leitspruch Efficiency First zum wichtigsten energiepolitischen Ziel ausgerufen hat. Dann kollabierte nämlich die gesamte Finanzierung des Stromsystems. Der Staat kann daran kein Interesse haben. Vielleicht kommen wir deswegen bei der Energieeffizienz allen Lippenbekenntnissen zum Trotz so langsam voran.

Vor allem aber passt stures Stromsparen nicht zu den Erfordernissen der Energiewende. Denn schon heute gibt es immer wieder Stunden, in denen wir viel zu viel Strom im Netz haben – etwa wenn die Sonne verbreitet scheint und der Wind kräftig weht. Zu diesen Zeiten bräuchten wir nicht weniger, sondern mehr Stromverbrauch. Das Zauberwort heißt Flexibilität. Auch beim Stromsparen. Doch wenn 80 Prozent des Preises durch staatlich festgelegte Pauschalen fix sind, gibt es praktisch keinen Anreiz, flexibel auf Marktpreise zu reagieren.

Mehr Verantwortung für Verbraucher

Dabei gibt es eine Alternative. Der Staat muss Verbrauchern mehr zutrauen, statt sich, wie bisher, ein fast schon absolutes Wissen anzumaßen. Zur Zeit kontrolliert der Staat die Stromerzeugung, indem er den Ausbaukorridor für die Erneuerbaren festlegt, und den Netzausbau. Er maßt sich auch an, die Präferenzen der Verbraucher genau zu kennen. So geht er davon aus, dass alle Verbraucher zu jeder Zeit eine unterbrechungsfreie Stromversorgung wollten. Die Allgemeinheit aber hat diese hundertprozentige Versorgungssicherheit zu bezahlen – koste es, was es wolle.

Tatsächlich dürften viele Verbraucher bereit sein, eine kurzzeitige Unterbrechung der Stromlieferung zu akzeptieren – sofern der Preis für sie stimmt. Viel zitiertes Beispiel sind Kühltruhen etwa im Einzelhandel, weil hier eine kurzzeitige Strompause die Temperatur praktisch nicht verändert und damit keine Auswirkungen auf die Qualität der gekühlten Lebensmittel hätte. Man kann den Fall aber viel weiterdenken: Wenn der Kühlschrank von Anna Normalverbraucherin weiß, dass sie auf einer dreitägigen Geschäftsreise ist und weder Butter noch Milch darunter leiden, wenn die Kühlung unterbrochen wird: Warum sollte Anna nicht dann einer kurzfristigen Stromabschaltung zustimmen, vorausgesetzt, sie hat etwas davon?