Kurz vor dem Treffen der Euro-Finanzminister hat Griechenland den Widerstand von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegen baldige Schuldenerleichterungen scharf kritisiert. Wirtschaftsminister Dimitri Papadimitriou warf dem CDU-Politiker in der Welt vor, eine Einigung mit Rücksicht auf die bevorstehende Bundestagswahl zum Nachteil Griechenlands zu verhindern. "Ich möchte auch nicht unhöflich sein, aber sein Verhalten scheint mir unredlich zu sein", sagte Papadimitriou.

"Griechenland wird zum Opferlamm", sagte Papadimitriou. "Mein Verständnis dafür, dass in Deutschland Wahlen stattfinden, stößt an seine Grenzen." Schäuble müsse seinen Wählern sagen, dass Griechenland wachsen müsse. "Er kann ihnen dann auch erklären, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Schulden erlassen worden sind."

Griechenland und der Internationale Währungsfonds verlangen die Zusage von Schuldenerleichterungen im Gegenzug für die Umsetzung der von den Geldgebern verlangten Reformen. Deutschland und die anderen Euro-Länder wollen über Erleichterungen erst nach Ende des Hilfsprogramms im August 2018 entscheiden. Verhandlungen im Mai endeten ohne Ergebnis.

Auch kurz vor dem Treffen am Donnerstag gehen die Positionen offenbar noch weit auseinander.  Schäuble zeigte sich im Vorfeld zwar zuversichtlich. "Wir gehen davon aus, dass wir ein tragfähiges Gesamtpaket vereinbaren können", bekräftigte sein Sprecher am Mittwoch. Die griechische Regierung dämpfte dagegen die Erwartungen. "Wir sind von einer Lösung noch weit entfernt", zitierte die Nachrichtenagentur ANA-MPA aus Regierungskreisen. Die Regierung in Athen hatte zuletzt diverse Sparmaßnahmen durchgesetzt, die Voraussetzung für die Auszahlung sind. Sie braucht das Geld bereits in wenigen Wochen. 

Unterstützung erhalten die Griechen von die Grünen, sie drängen die Bundesregierung zu Zugeständnissen mit Blick auf Schuldenerleichterungen. Eine Kursänderung sei mehr als überfällig, sagte Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter der Deutschen Presse-Agentur. Die vom Internationalen Währungsfonds geforderten Erleichterungen zu verschleppen, triebe "einen Spalt durch das gemeinsame Europa, das dringender gebraucht wird als je zuvor". Schäuble verhalte sich "schizophren", wenn er den IWF an Bord halte wolle, aber eine Senkung der Schuldenlast ablehne.

Griechenland ist seit 2010 auf Hilfe seiner europäischen Partner und des IWF angewiesen. 2015 wurde kurz vor einer befürchteten Staatspleite ein drittes Rettungsprogramm im Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro geschnürt, das bis 2018 läuft. Knapp 32 Milliarden Euro sind bereits ausgezahlt, nun geht es um die nächste Tranche. Die Regierung in Athen braucht rund sieben Milliarden Euro, um im Juli alte Schulden zurückzuzahlen.