Über seinen Staatsfonds QIA, dessen Chef ein Mitglied des Herrscherhauses ist, kaufte das Emirat sich bei internationalen Konzernen ein, bei Banken, Ölkonzernen und Autobauern. Weltweit sollen sich die Beteiligungen des QIA auf rund 330 Milliarden Dollar belaufen. Bei britischen Unternehmen brachte der Fonds insgesamt 35 Milliarden unter, zum Beispiel für Beteiligungen an der Barclays Bank oder der Londoner Börse.

Auch in deutsche Konzerne investierte er reichlich. Inzwischen ist Katar einer der größten Aktionäre im Leitindex Dax und hält Aktienpakete von VW (rund 17 Prozent), Siemens (über drei Prozent), Hapag-Lloyd (14 Prozent) und der Deutschen Bank (etwa acht Prozent). Das sind nur die offiziell gemeldeten. Dazu könnten Anteile unterhalb der gesetzlichen Meldeschwelle kommen sowie indirekte Beteiligungen über Fonds oder andere Gesellschaften. 

Rettende Aktionäre für VW und andere

Verkaufen werden die Katarer ihre Aktienpakete nun wohl nicht. Der Staatsfonds QIA ziele auf "langfristig orientierte Rückflüsse aus Investitionen", sagt er selbst. Er will Erträge aus Firmen generieren, ohne sich "ungebührlichen Risiken auszusetzen". Mit diesem Ziel stockte der Fonds seine Anteile an der Deutschen Bank angesichts der jüngsten Kurstiefststände sogar auf. Erst im Mai ging das Gerücht, sie könnten noch weitere Aktien kaufen und damit die Meldeschwelle von zehn Prozent überspringen.

Die Firmen selbst geben zu ihren Großinvestoren öffentlich keinen Kommentar ab – schon gar nicht zur Krise am Golf. Hinter vorgehaltener Hand aber nennen viele die Katarer "solide und stille Ankeraktionäre". Schließlich retteten sie ja auch so manches Unternehmen: Die Deutsche Bank versorgten sie 2014 mit dem dringend nötigen Eigenkapital. VW retteten sie aus der Porsche-Übernahmekrise. Und Hapag-Lloyd bewahrten sie erst kürzlich vor dem Ende.

Risiko Boykott

Die große Frage ist aber: Werden sie zurückhaltend bleiben, wenn die Krise am Golf sich verschlimmert? Kraft ihrer Aktienpakete könnten sie darauf dringen, dass die Firmen, die sie beherrschen, keine Geschäfte mehr mit der Gegenseite machen, also mit Saudi-Arabien, den Arabischen Emiraten oder Ägypten. 

Ganz aus der Luft gegriffen scheint die Befürchtung nicht: Wozu sonst hätten die Investoren aus Katar ihre eigenen Vertreter in die Aufsichtsräte gebracht? Bei VW installierten sie jüngst einen Staatsminister im Aufsichtsrat sowie eine IT-Expertin. Bei der Deutschen Bank brachten sie einen Wirtschaftsanwalt ins Aufsehergremium.    

Nutzten sie ihre Mitspracherechte für einen Boykott, könnten beispielsweise für Siemens einige Aufträge auf der Kippe stehen. Der Konzern baut nicht nur kräftig an Katars Stromnetz mit, er soll auch für 400 Millionen Euro Gasturbinen nach Saudi-Arabien liefern, ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt in arabischen Städten ausrüsten und ein Gaskraftwerk in Ägypten errichten – es ist bisher der größte Auftrag der Firmengeschichte. 

Und selbst wenn die Anteilseigner aus Katar sich nicht einmischten: Die Beteiligungen des Emirats an deutschen Firmen könnten zum Problem werden, sollten andere einflussreiche Staaten das Land auf eine Bannliste setzen, etwa die USA. Dann wäre für deutsche Firmen auch in diesen Ländern kaum Geschäft möglich, warnen Wirtschaftsverbände und erinnern an die Zeit, in der es ein Embargo gab, das viele Firmen lahmlegte – im Iran.