Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat vor einer gesellschaftlichen Spaltung durch eine wachsende Ungleichheit bei den Einkommen gewarnt. "Die Einkommensungleichheit ist beispiellos im Moment und gefährdet den sozialen Zusammenhalt", sagte OECD-Generalsekretär Ángel Gurría zum Auftakt einer Konferenz in Berlin.

Daten der OECD zufolge befinden sich die Unterschiede auf dem höchsten Stand seit 50 Jahren. Demnach stieg das durchschnittliche verfügbare Einkommen der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung im OECD-Raum auf über das Neunfache des Einkommens der ärmsten zehn Prozent. Vor einem Vierteljahrhundert war es noch siebenmal so hoch.

Darüber hinaus warnt die OECD in einer neuen Studie auch vor einer "Beschäftigungspolarisierung". So arbeiten in den OECD-Staaten immer weniger Menschen in Jobs für Mittelqualifizierte und mit mittlerem Lohn, während der Anteil an Arbeitsplätzen für hoch und gering qualifizierte Arbeitskräfte zwischen 1995 und 2015 anstieg.

Hauptursache dafür ist der Studie zufolge der technologische Wandel. Zudem würde sich die Beschäftigung weg vom verarbeitenden Gewerbe hin zu Dienstleistungen verlagern. "Viele Fabrikarbeiter haben schlechter bezahlte Dienstleistungsjobs annehmen müssen", heißt es in der Studie. Die Autoren prognostizieren, dass in den kommenden Jahren weitere neun Prozent der Arbeitsplätze in den OECD-Ländern automatisiert werden könnten.

Die Studie soll an diesem Dienstag auf der OECD-Konferenz in Berlin vorgestellt werden. Hauptthema ist die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt, den die OECD überwiegend positiv bewertet. "Zwei Schwächen der Entwicklung in Deutschland sind der höhere Anteil von Arbeitsplätzen mit starkem arbeitsbedingtem Stress und eine große Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern", hieß es in einer Mitteilung. "Letztere rührt vor allem daher, dass Frauen weniger Arbeitsstunden aufweisen als Männer." Die Organisation rät zu einer niedrigeren Besteuerung von Zweitverdienern und zu flächendeckenden Angeboten für Ganztagsbetreuung von Kindern.

Thomas Piketty - "Ungerechte Einkommensverteilung gefährdet die Demokratie"