Multinationale Unternehmen wie Starbucks, Ikea oder McDonald's sollen ihre weltweiten Gewinne verpflichtend offenlegen und angeben müssen, in welchem Land sie wie viel Steuern zahlen. Darauf zielt ein Richtlinienentwurf ab, den das Europaparlament in erster Lesung verabschiedet hat.

Die Europäischen Abgeordneten wollen damit erreichen, dass die Unternehmen nicht weiterhin in großem Maße Steuern vermeiden können. Die sogenannte länderspezifische Berichterstattungspflicht soll für alle multinationalen Unternehmen gelten, die einen Jahresumsatz von mehr als 750 Millionen Euro erwirtschaften und in der EU tätig sind. Nach dem Votum in erster Lesung können nun die Verhandlungen zwischen den Mitgliedsstaaten, der EU-Kommission und dem Europaparlament beginnen.

Allerdings konnte die Mehrheit aus Konservativen und Liberalen im EU-Parlament durchsetzen, dass einzelne Unternehmen in Absprache mit einer Regierung die Offenlegungspflicht aussetzen dürfen. Damit sollen Wettbewerbsverzerrungen gegenüber Unternehmen, die nur außerhalb der EU tätig sind, vermieden werden. Das bedeutet, dass ein Unternehmen befreit wird, wenn es beweisen kann, dass die Veröffentlichung von Details seinem Geschäft schaden würde. 

Die linken und grünen Parteien hatte diese Ausnahme kritisiert. Ihre Versuche, die Schwelle von 750 Millionen Umsatz abzusenken, fanden ebenfalls keine Mehrheit. Damit werde die Offenlegungspflicht nur für zehn bis 15 Prozent der in der EU tätigen Großkonzerne gelten, sagte der SPD-Finanzexperte Udo Bullmann. Diese Firmen erwirtschafteten allerdings zusammen 90 Prozent des Jahresumsatzes aller multinationalen Unternehmen.