Mit einer kurzen Äußerung hat Peter Tauber viele Menschen verärgert. "Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs", hatte der CDU-Generalsekretär am Montag auf Twitter geschrieben und darauf viele empörte Reaktionen erhalten. Mit anderen Worten sollte Taubers Aussage heißen: Wer in Deutschland gut qualifiziert ist, hat keine Probleme, einen Vollzeitjob zu finden. Aber sind Minijobber tatsächlich nur zu schlecht ausgebildet?

Schon 2015 hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Statistiken der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet, um herauszufinden, welche Qualifikation Minijobber haben. Demnach hatten Ende 2014 mehr als fünf Millionen Deutsche keine Vollzeitstelle, aber mindestens einen Minijob. Da Schüler, Studenten und Rentner nicht Vollzeit arbeiten können, betrachtet der DGB nur die 3,1 Millionen Minijobber, die zwischen 25 und 64 Jahre alt sind.

Bei einem Drittel der Minijobber ist der Bundesagentur für Arbeit nicht bekannt, wie sie qualifiziert sind. Geht man davon aus, dass sie genauso qualifiziert sind wie die anderen Minijobber, ergibt sich ein deutliches Bild: Nur jeder fünfte hat keine Ausbildung. 71 Prozent haben dagegen einen Beruf gelernt, weitere 9 Prozent haben sogar einen Hochschulabschluss. 

Nicht jeder Minijobber arbeitet gerne Vollzeit

In absoluten Zahlen bedeutet das, dass knapp 2,5 Millionen Deutsche zwischen 25 und 64 Jahren trotz abgeschlossener Ausbildung oder Studium nur einen Minijob haben – ein deutlicher Widerspruch zu Peter Taubers Tweet.

Zu beachten ist jedoch, dass nicht jeder Minijobber gerne Vollzeit arbeiten würde. Nach einer Studie des Statistischen Bundesamts waren 2013 nur elf Prozent der Minijobber arbeitslos, die anderen sind Schüler, Studenten, Rentner oder Hausmänner und -frauen. Von den arbeitslosen Minijobbern würden 73 Prozent gerne mehr arbeiten, finden aber keine Stelle.

Wenn jemand übrigens, wie von Peter Tauber beschrieben, drei Minijobs ausübt, darf er trotzdem insgesamt nicht mehr als 450 Euro verdienen, bevor Beiträge zur Sozialversicherung anfallen. Die einzige legale Option, seinen Verdienst weiter aufzustocken, ohne dass Sozialversicherung anfällt, ist eine kurzfristige Beschäftigung. Ansonsten bleibt nur der Wechsel in einen sozialversicherungspflichtigen Job.

Anmerkung: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, dass man mit mehreren Minijobs nicht mehr als 450 Euro verdienen dürfe. Zur besseren Verständlichkeit haben wir ergänzt, dass ansonsten Beiträge zur Sozialversicherung anfallen. Mehr Verdienst ist möglich, aber dann nicht mehr von der Sozialversicherung befreit.