Zwei Prozent sind eine verschwindend kleine Zahl. Man kann leicht über sie hinwegsehen – über jene zwei Prozent aller Zigaretten weltweit, die in Afrika geraucht werden. Was sind schon zwei Prozent von sechs Billionen Tabakröllchen, die jährlich insgesamt in Rauch aufgehen? Wie schwer wiegt die Tatsache, dass jeder neunte Mann in Afrika – gelegentlich – mal eine raucht, angesichts dessen, dass in Europa fast jeder dritte Mann noch zur Zigarette greift?

Man könnte meinen, der afrikanische Markt sei für die Zigarettenkonzerne unbedeutend. Doch das Gegenteil ist der Fall. In den Augen der Tabakindustrie sind die zwei Prozent Raucher in Afrika Hoffnungsträger – denn sie zeigen, wie sehr ihr Umsatz noch wachsen kann. Nun versuchen die Unternehmen, mehr Afrikaner zum Qualmen zu verführen.

In Europa gehen ihre Umsätze allmählich in Rauch auf. Seit 1980 ist die Quote der männlichen Raucher in den Industrieländern von über 44 auf nur noch 30 Prozent gesunken. Bei den Frauen fiel die Zahl von 22 auf 17 Prozent. Wer raucht, ist eher alt; junge Leute greifen immer seltener zur Zigarette.

Vor allem stärkere Nichtrauchergesetze haben dazu beigetragen, dass viele deutsche, amerikanische und europäische Jugendliche das Rauchen uncool finden. Als neue Absatzmärkte haben die Hersteller jene Länder entdeckt, in denen es zwar bisher wenige Raucher gibt, aber die Bevölkerung stark wächst. Denn die Zigarettenhersteller profitieren vom Bevölkerungswachstum: Seinetwegen ist die Zahl der Raucher weltweit auf eine knappe Milliarde Menschen gestiegen – und das, obwohl heute nur noch jeder Siebte raucht, statt wie früher jeder Sechste.

Die "globale Epidemie" erreicht Afrika

Das wiederum bereitet Gesundheitsexperten große Sorgen. Aus den zwei Prozent Anteil der afrikanischen Raucher am Zigarettenverbrauch könnte schnell ein großes Problem erwachsen, warnte jüngst die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die aktuellen Zahlen zeigten, dass sich die "globale Epidemie", die Nikotinsucht, nun auch dort verbreite, wo bisher nur wenige Menschen "infiziert" waren, nämlich in Afrika. Dort könnten aus wenigen Rauchern in Windeseile ein paar hundert Millionen werden.

Heute leben rund eine Milliarde Menschen in Afrika. Etwa 13 Prozent von ihnen rauchen, schätzt die WTO. Bis zum Jahr 2050 könnte die afrikanische Bevölkerung auf zwei Milliarden gestiegen sein – und vielleicht wird dann schon knapp die Hälfte von ihnen rauchen. Für Länder wie Kongo schätzt die WHO die Raucherzahl dann auf 47 Prozent, in Kamerun könnten es immerhin 43 Prozent sein und in Sierra Leone rund 41 Prozent. Das sind drei- bis viermal so viele wie heute.

In vielen Familien werde bereits geraucht, was ein Risikofaktor für Kinder ist, ebenfalls zu Rauchern zu werden. Und da afrikanische Frauen im Schnitt sechs bis sieben Kinder bekommen, könnte die Zahl der Nikotinabhängigen stark steigen. "Afrikanische Kinder rauchen schon jetzt vergleichbar viel und sogar mehr als Kinder und Jugendliche in den Nordländern oder in Asien", warnt die WHO. 2025 könnten mehr Afrikaner zur Gruppe der Starkraucher gehören als Europäer, warnte das medizinische Fachblatt Lancet jüngst. 

Schon jetzt sterben pro Jahr sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Jeder zehnte Todesfall weltweit geht auf Tabakkonsum zurück, stellt John Britton, Epidemiologe der University of Nottingham in einem Lancet-Fachartikel fest. Vor allem Krebserkrankungen nähmen durchs Rauchen zu.

Darauf jedoch sowie auf die medizinische Behandlung solcher Krebsfälle "sind die afrikanischen Staaten gar nicht vorbereitet"; ebenso wenig auf die hohen volkswirtschaftlichen Kosten, die Arbeitsausfälle und Behandlungskosten für unterentwickelte Staaten bedeuten. Länder wie Chile oder Malaysia gäben schon jetzt mehr für tabakbedingte Krankheitskosten aus als für ihre innere Sicherheit oder die ländliche Entwicklung, schreibt Britton.