Die Zahl der Beschwerden über unerlaubte Telefonwerbung ist stark gestiegen. Seit Jahresbeginn gingen bei der Bundesnetzagentur bereits fast so viele Meldungen ein wie im gesamten Vorjahr. Das geht laut einem Bericht der Rheinischen Post aus einem Antwortschreiben der Bundesregierung an die Grünen-Fraktion hervor.

Insgesamt kam es im ersten Halbjahr zu 26.080 Beschwerden. 2016 waren 29.298 Verbraucherbeschwerden registriert worden. Schon davor hatte es laut der Zeitung einen Zuwachs gegeben.

Generell darf niemand zu Werbezwecken angerufen werden, ohne dass er vorher ausdrücklich zugestimmt hat – diese Zustimmung darf auch nicht zu Beginn des Telefonats nachträglich eingeholt werden. Außerdem dürfen Werbetreibende ihre Rufnummer nicht unterdrücken oder eine falsche Nummer einblenden. Verbraucher beklagen sich über Verstöße und kritisieren den hartnäckigen und aggressiven Ton mancher Anrufer.

Grüne fordern Gesetzesverschärfung

Die Bundesnetzagentur würde gerne eine Dokumentationspflicht für Callcenter einführen, was der Branchenverband DDV aber ablehnt. Er verweist auf einen freiwilligen Branchenkodex, der etwa die Zahl der Anrufe pro Kampagne und Zielperson auf 15 pro Woche begrenzt.

Die Grünen treten für eine Gesetzesverschärfung ein: "Aus unserer Sicht sollten Vertragsabschlüsse durch unerlaubte Werbeanrufe nur dann zu Stande kommen, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Einverständnis in Textform bestätigen", sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Nicole Maisch. Sie warf der Bundesregierung vor, es verpasst zu haben, branchenübergreifend eine verbraucherfreundliche Regelung durchzusetzen.

Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben im Bundesrat Initiativen gestartet, die eine Überrumpelung von Verbrauchern am Telefon verhindern sollen.