Die irische Billigfluglinie Ryanair will 90 Maschinen der hochverschuldeten italienischen Airline Alitalia kaufen. Ryanair-Chef Michael O'Leary teilte mit, sein Unternehmen werde ein entsprechendes Angebot vorlegen. Übernommen werden sollen demnach auch die Piloten, das Bordpersonal und die Routen der Flugzeuge. Alitalia sei "eine sehr gute Marke", der Name solle im Fall einer erfolgreichen Übernahme der Maschinen erhalten bleiben. Besonders interessant seien Alitalias Langstreckenflügen. In diesem Bereich bestehe viel Wachstumspotenzial, meinte O'Leary.

Ryanair hätte gern eine Offerte für die gesamte Flotte der krisengeschüttelten italienischen Airline eingereicht, doch aus wettbewerblichen Gründen würde die Kartellbehörde den Deal stoppen, da die Iren damit über 50 Prozent des italienischen Markts beherrschen würden, sagte O'Leary. Ryanair hatte bereits im Juli unverbindlich Interesse an einer Übernahme von Alitalia angemeldet.

Die italienische Regierung will eine Zerstückelung der Alitalia verhindern. "Eine Zerstückelung von Alitalia wäre ein schwerwiegender Fehler", erklärte Tourismusminister Dario Franceschini. Alitalia sei das erste Stück Italiens, das ankommende Gäste aus allen Teilen der Welt aufnehme. "Die Flugzeuge sind in der Tat der erste Ort, an dem man das Essen, das Kino, die Kunst, die Schönheit und den Stil Italiens zu schätzen beginnt."

Der Verkaufsprozess der seit Jahren in der Krise steckenden einstigen Staatslinie befindet sich in der entscheidenden Phase. Bis zum 15. September, spätestens aber bis zum 2. Oktober sollen Interessenten verbindliche Angebote abgegeben.