Schwule Männer bekommen auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Schnitt einen geringeren Stundenlohn als heterosexuelle. Die Differenz beim realen Bruttostundenlohn betrage rund 2,14 Euro, heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten. Demnach liegt der durchschnittliche reale Bruttostundenlohn eines heterosexuellen Mannes bei rund 18 Euro.

Berücksichtigt man Faktoren wie Alter, Bildung und Branche, verdienen Schwule sogar 2,64 Euro weniger als Heterosexuelle mit den gleichen Merkmalen. Der Untersuchung zufolge sind Schwule, Lesben und Bisexuelle besser ausgebildet als der Durchschnitt.

Ein statistischer Beweis für Lohndiskriminierung von Homosexuellen am Arbeitsplatz sei damit aber nicht erbracht. "Das ist erstmal nur ein Indikator", sagte Studienautor Martin Kroh. "Vermutlich gibt es eine Reihe von Erklärungen für die Lohnlücke." Laut Studie leisten homosexuelle Männer etwa mehr Überstunden als heterosexuelle. Das könnte eine von vielen Erklärungen sein. 

Wenige Daten über Homosexuelle

Die DIW-Studie zeigt auch dass Menschen, die sich offen als schwul, lesbisch oder bisexuell bezeichnen, im Vergleich zu Heterosexuellen im Schnitt häufiger allein leben und sich im Privatleben eher auf Freunde als auf Familienangehörige verlassen. Nach Schätzungen des DIW bezeichnen sich in Deutschland derzeit knapp zwei Prozent der Erwachsenen als homo- oder bisexuell.

Die Studie, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt werden soll, beruht im Wesentlichen auf den Angaben von 459 Befragten des Sozioökonomischen Panels (SOEP), die sich bei der Erhebung im Jahr 2016 selbst als homo- oder bisexuell bezeichnet hatten. Das Panel ist eine repräsentative Langzeitbefragung von jährlich mehr als 30.000 Bundesbürgern. Die Daten geben Auskunft zu Fragen über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit.

Die Studienautoren beklagen dem Bericht zufolge, dass es insgesamt zu wenige Daten über die Lebenssituation homosexueller Menschen in Deutschland gibt. Sie forderten deswegen, die Sozialberichte der Bundesregierung um das Merkmal der sexuellen Orientierung zu erweitern. Auch die EU empfehle, zur Bekämpfung von Homophobie und sexueller Diskriminierung regelmäßig vergleichbare Daten zur Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen zu erheben.