Einen Monat vor dem entsprechenden Volksentscheid hat sich eine Mehrheit für die Weiternutzung des Berliner Flughafens Tegel ausgesprochen. In einer repräsentativen Umfrage des Instituts Civey im Auftrag des Berliner Tagesspiegels befürworteten etwa 56 Prozent der Befragten eine Offenhaltung des innerstädtischen Flughafens. Demnach sprachen sich rund 39 Prozent der Wähler dagegen aus.

Die Berliner Wahlberechtigten stimmen am 24. September parallel zur Bundestagswahl zusätzlich über den maßgeblich von der FDP initiierten Volksentscheid ab. Dieser fordert den rot-rot-grünen Senat des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) auf, die Pläne zur Schließung Tegels aufzugeben und Maßnahmen für dessen weitere Nutzung zu ergreifen. Die Berliner Koalition aus  SPD, Linken und Grünen lehnt das Vorhaben ab. Die CDU in der Hauptstadt ist dafür, ebenso die AfD. Auch die irische Billigfluglinie Ryanair unterstützt das Vorhaben. 

Eigentlich sollte Tegel spätestens sechs Monate nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER geschlossen werden. Wann dieser in Betrieb geht, ist nach wie vor unklar. Nach mehreren Terminverschiebungen ist derzeit von 2018 die Rede. Aber auch 2019 ist denkbar.

Die Befürworter argumentieren vor allem, dass der BER dann den gestiegenen Fluggastzahlen gar nicht gewachsen sein werde. Zudem ist weiterhin kein sicherer Termin zur Inbetriebnahme des BER abzusehen. Die Gegner des innerstädtischen Flughafens verweisen auf Fluglärm, Sicherheitsbedenken sowie die inzwischen marode Infrastruktur. Auf dem Gelände sind außerdem bereits Wohnungen, Gewerbe und ein Technologiepark geplant. Ein Votum allein aus Berlin könne den Schließungsbeschluss der drei Gesellschafter (Berlin, Bund und Brandenburg) nicht auflösen.

Auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist aber mittlerweile vom Beschluss abgerückt, den Flughafen Tegel zu schließen: "Eine Hauptstadt mit zwei Flughäfen ist gut vorstellbar", sagte er. Der Bund, Berlin und Brandenburg hatten eigentlich vereinbart, dass der BER in Schönefeld der einzige Flughafen für die Region wird. "Die Kapazitäten des BER werden mittelfristig für Berlin wohl nicht ausreichend sein", sagte Dobrindt. "Auch deshalb kann man über die Offenhaltung des Flughafens Tegel nachdenken."

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg meldete diese Woche neue Passagierrekorde für Deutschlands Hauptstadt, die auch die Zahlen übertraf, mit denen die Gesellschaft geplant hatte. In diesem Jahr starteten und landeten bis Juli an den überlasteten Flughäfen in Tegel und Schönefeld bereits 19,5 Millionen Passagiere.