Die britische Regierung will mit einer Reihe von Positionspapieren zur Klarheit in den chaotischen Brexit-Verhandlungen beitragen. Das erste wurde am Dienstag veröffentlicht und beschäftigt sich mit der Zollunion. Damit die britische Wirtschaft ab März 2019 nicht zu hart vom Brexit getroffen wird, soll es nach den Vorstellungen der Regierung von Premierministerin Theresa May eine neue, für die eigenen Bedürfnisse maßgeschneiderte "Übergangszollunion" geben. Diese soll es den Briten im Unterschied zur bisherigen Regelung erlauben, mit anderen Ländern in aller Welt über neue Handelsabkommen zu verhandeln. Europäische Unternehmen könnten im Gegenzug zunächst weiterhin ungehindert ihre Produkte in das Königreich verkaufen.

Was nach einer Win-win-Situation für alle Beteiligten klingt, ist in Wahrheit eine absurde Forderung. So absurd, dass man sich fragen muss, ob die britische Verhandlungsseite die Brexit-Gespräche bewusst scheitern lassen möchte. Selbst wenn man davon ausgeht, dass es sich hierbei um eine überspitzte Verhandlungsposition handelt: Offenbar sind einige Minister in London vollständig ihren Wunschvorstellungen erlegen.

Wie sonst ist es zu erklären, dass Brexit-Minister David Davis kurz vor Veröffentlichung des Papiers nonchalant in der BBC sagte, "BMW und andere europäische Firmen" würden schon verhindern, dass in Zukunft Zölle beim Handel zwischen Großbritannien und den EU-Staaten erhoben werden. Mit ähnlichen Formulierungen hatte schon Brexit-Vorkämpfer und Außenminister Boris Johnson reichlich Spott auf sich gezogen. Der Gedanke hinter solchen Formulierungen: Die EU wird schon einknicken und den Briten am Ende geben, was sie möchten.

Vor wenigen Wochen sorgte ein Foto aus Brüssel für Aufsehen. Zu sehen: Die Verhandlungsteams von Großbritannien und der EU an einem Konferenztisch. EU-Verhandlungschef Michel Barnier und zwei Assistentinnen haben Berge von Unterlagen zu dem Treffen mitgebracht. Ihnen gegenüber sitzt David Davis. Der Tisch vor dem Brexit-Minister ist leer, er hat noch nicht einmal einen Notizblock vor sich liegen. Davis grinst in die Kamera wie ein Schuljunge, den man gerade bei einem Streich erwischt hat. Kurze Zeit später entschuldigt sich Davis und fliegt wieder zurück nach London. Lästige Detailfragen zum Brexit? Für den Brexit-Minister offenbar uninteressant.

Kein Wunder, dass Davis' Verhandlungspartner so langsam die Geduld verlieren. In Stellungnahmen klingen Barnier und sein Team seit Wochen nur noch genervt. Nach der Veröffentlichung des Papiers vom Dienstag tweetete der EU-Verhandlungschef, dass erst einige wichtige Fragen geklärt werden müssten, bevor man über die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen sprechen könne. Sein Kollege vom EU-Parlament, Guy Verhofstadt, fand klarere Worte: Er bezeichnete den britischen Vorschlag als "Fantasie".

In den kommenden Tagen möchte die britische Regierung weitere Verhandlungspositionen zum Brexit veröffentlichen. Ob es sich wieder nur um Luftschlösser handeln wird? Die Zeichen stehen schlecht.