Die deutschen Autohersteller haben zugesagt, insgesamt etwa fünf Millionen Dieselfahrzeuge mit Software-Updates nachzurüsten. Das teilte der Verband der Deutschen Automobilindustrie als Ergebnis des Dieselgipfels mit. In der Zahl seien bereits die 2,5 Millionen VW-Dieselfahrzeuge enthalten, die nach Bekanntwerden des Skandals ein Softwareupdate erhalten hatten. Es gehe um Fahrzeuge mit den Abgasgrenzwerten Euro 5 und Euro 6. Kritikern geht die Beschränkung auf verbesserte Software anstelle von technischen Umbauten der Fahrzeuge nicht weit genug.

Volkswagen-Chef Matthias Müller erteilte über Softwareupdates hinausgehenden baulichen Nachrüstungen eine klare Absage. "Wir halten es im Grunde genommen für ausgeschlossen, Hardwarenachrüstungen vorzunehmen", sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Chef Harald Krüger nach dem Dieselgipfel in Berlin. "Einmal des Aufwandes wegen, aber auch, weil die Wirkung fragwürdig ist." Dem widersprach der ADAC. Nach seinen Angaben ließe sich der Stickstoffausstoß nicht nur um 25 Prozent, sondern um bis zu 90 Prozent senken, wenn die betroffenen Autos auch mit Hardware nachgerüstet würden. Eine solche Nachrüstung gilt allerdings als deutlich teurer – und funktioniert womöglich nicht für einige alte Modelle. Die Politik sei vor der Industrie eingeknickt, kritisierte der ADAC.

Ähnlich äußerten sich Umweltverbände. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland erklärte, mit der Entscheidung für reine Softwareupdates, die nicht einmal verpflichtend seien, würden Fahrverbote unausweichlich. "Erneut haben sich die Autohersteller gegen die Interessen von Verbrauchern und Umweltschützern durchgesetzt."

Der Verband der Autohersteller hatte mitgeteilt, mit einer Stickoxidreduzierung von 25 bis 30 Prozent allein durch die Softwareupdates könne die Schadstoffbelastung "mindestens genauso stark reduziert werden wie durch Fahrverbote". Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, Ziel des Gipfels sei es gewesen, Fahrverbote zu verhindern. Diesem Ziel sei man mit der Einigung näher gekommen.

Angeboten werden die Softwarenachrüstungen von den Herstellern BMW, Daimler, Opel und Volkswagen. Für die Halter würden keine Kosten entstehen. Das Update solle auch keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben.

Volkswagen, Daimler und BMW werden sich dem Verband zufolge auch an einem Mobilitätsfonds der Bundesregierung beteiligen. Mit dem Geld aus diesem Fonds sollen Städte und Ballungsräume gefördert werden, die besonders stark von Stickoxidemissionen betroffen sind.

Umweltministerin: Problem nicht vollständig gelöst

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) begrüßte die Zusagen der Hersteller. Allerdings räumte sie ein, dass das Problem mit der Einigung nicht vollständig gelöst sei. Sie trage aber zur Schadstoffverminderung und höherer Luftqualität bei. Hendricks wertete es zudem als positiv, dass die Autokonzerne auch Kaufprämien für den Umstieg auf neuere oder Elektromodelle anbieten. Damit sei auch das Thema staatlicher Kaufprämien vom Tisch.

Die Ministerin kündigte außerdem Expertenrunden an, um über weitere Schritte zur Abgasverminderung zu beraten, etwa zur Umrüstung von Bus- und Taxiflotten und zur besseren Vernetzung des Straßenverkehrs. Dabei sollen auch Gewerkschaften, Verbraucherschutz- und Umweltverbände beteiligt werden. Vor dem Gipfel hatte es Kritik gegeben, dass diese Gruppen an dem Dieselgipfel nicht beteiligt waren. Hendricks' Kabinettskollege Dobrindt stellte für die Umrüstung des öffentlichen Nahverkehrs auf umweltfreundlichere Antriebe 250 Millionen Euro in Aussicht.

Zu dem Dieselgipfel eingeladen waren die Chefs von Volkswagen, Porsche, Audi, Daimler, BMW sowie von Opel und Ford in Deutschland – ebenso wie die Ministerpräsidenten der Länder mit Autoindustrie, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Auch Vertreter der Stadtstaaten Hamburg und Berlin, die besonders vom Ausstoß von Stickoxiden betroffen sind, nahmen teil.


Abgasskandal - "Wir brauchen ganz dringend eine Musterfeststellungsklage" Verbraucherschützerin Jutta Gurkmann erzählt im Video-Interview über die Perspektiven betroffener Diesel-Pkw-Besitzer und Forderungen an die Politik. © Foto: ZEIT ONLINE