Im Dieselskandal hat die Staatsanwaltschaft München ihre Ermittlungen gegen Audi auf den Vorstand ausgeweitet. Die Strafverfolger ermitteln im Kreise aktueller und ehemaliger Vorstandsmitglieder der Volkswagen-Tochter gegen Unbekannt wegen möglicher Verletzung der Aufsichtspflicht, wie eine Behördensprecherin sagte. Audi erklärte lediglich, das Unternehmen sei über das Verfahren informiert und arbeite konstruktiv mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist noch offen, ob Pflichten verletzt wurden und wenn ja, welcher Manager verantwortlich sein könnte.

Einen konkreten Namen in anderen Ermittlungen nennen dagegen Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR: den von Vorstandschef Rupert Stadler. Frühere Audi-Mitarbeiter hätten ihn bei US-Ermittlern schwer belastet. Demnach soll er – gemeinsam mit dem späteren Porsche-Vorstand Michael Steiner – angeordnet haben, dass bei einer Anhörung bei US-Umweltbehörden im Herbst 2015 illegale Manipulationen beim Abgasreiniger verschwiegen wurden. 

VW und Audi hätten auf Anfrage des Rechercheteams auf eine "Sachverhaltsdarstellung" der US-Regierung von Anfang des Jahres verwiesen. Diese enthalte "keine Hinweise auf Verfehlungen ehemaliger oder aktiver Vorstandsmitglieder", zitiert die SZ die Konzerne. Die Behörden haben seit Erscheinen des US-Regierungspapiers allerdings weiterermittelt. Porsche habe eine Stellungnahme unter Verweis auf laufende Ermittlungsverfahren abgelehnt, so die SZ.

Audi baut Vorstand um

Ende Juli war bekannt geworden, dass Audi bei der Aufarbeitung des Dieselskandals im Vorstand aufräumt. Ob ein Zusammenhang dieser Pläne mit dem Ermittlungsverfahren besteht, ist offen. Nach Angaben von Insidern sollen vier von sieben Topmanagern bald ihre Posten verlassen. Vorstandschef Rupert Stadler sei nicht unter ihnen. Er steht allerdings wegen seines Verhaltens bei der Aufklärung des Dieselskandals unter Druck und erhielt seine Vertragsverlängerung bis 2022 bei Audi Insidern zufolge nur unter Vorbehalt. Audi hatte sich wegen des Skandals bereits von Vorstandsmitgliedern und anderen Managern getrennt.

Wegen der von Volkswagen und Audi zugegebenen millionenfachen Manipulation von Dieselmotoren zur Schönung der Abgaswerte ermitteln mehrere Staatsanwaltschaften im In- und Ausland. Neben US-Ermittlern, die bereits mehrere Beschuldigte verhaften ließen, sorgte besonders das harte Vorgehen der Strafverfolger in München für Aufsehen. Sie rückten bei Audi am Tag der Bilanzpressekonferenz zur Razzia an. Sie durchsuchten auch die von Volkswagen mit der internen Aufklärung beauftragte Anwaltskanzlei Jones Day, was als ungewöhnlicher Schritt gilt.

Zudem sorgten die Münchner für die bisher einzige bekannt gewordene Verhaftung im VW-Dieselskandal in Deutschland. Im Zuge der seit Längerem andauernden Ermittlungen wegen Betrugsverdachts und möglicher strafbarer Werbung wurde ein ehemaliger Audi-Manager festgesetzt. Von diesem Strafverfahren, das sich gegen mehrere Beschuldigte richtet, sind nach bisherigen Angaben der Behörde keine Vorstände betroffen. Hinzu kommt nun ein Bußgeldverfahren gegen Audi-Vorstände. Eine Verletzung der Aufsichtspflicht gilt laut Gesetz als Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu einer Million Euro belangt werden kann.