Üblicherweise brauchen Schiffe auf dieser Strecke einen Eisbrecher, der ihnen den Weg bahnt: Ein Tanker hat erstmals das Nordpolarmeer ohne Eskorte durchquert, wie die BBC, der Guardian und die New York Times übereinstimmend berichten. Ursächlich ist demnach nicht nur der Klimawandel, sondern auch die neuartige Bauweise der Christophe de Margerie, so der Name des Schiffes.

Den Berichten zufolge handelt es sich um das erste eisbrechende Flüssiggastankschiff weltweit. Der Tanker kann durch Eisschichten navigieren, die bis zu 2,1 Meter dick sind. Die Route von Hammerfest in Norwegen zum südkoreanischen Boryeong soll die Christophe de Margerie in nur 19 Tagen zurückgelegt haben. Das wäre etwa 30 Prozent schneller als auf der üblichen Route durch den Suezkanal. Die Nordostpassage durchquerte das Schiff in der Rekordzeit von sechseinhalb Tagen.

Die Christophe de Margerie ist 300 Millionen Dollar teuer und knapp 300 Meter lang. Künftig soll das Schiff Erdgas aus den Feldern der sibirischen Jamal-Halbinsel nach Asien bringen – so wie 14 weitere Schiffe, die sein Eigentümer, die russische Sowkomflot, noch bauen will. Das Unternehmen und die russische Regierung setzen große Hoffnungen in die Flotte. Der BBC zufolge nannte Russlands Präsident Wladimir Putin die Jungfernfahrt des Tankers "ein großes Ereignis in der Öffnung der Arktis".

Ein Sprecher von Sowkomflot sprach von einer "signifikanten Entwicklung". Das neue Schiff könne das ganze Jahr über von Sabetta, dem wichtigsten Energiehafen der Jamal-Halbinsel, nach Westen fahren, und von Juli bis Dezember in Richtung Osten. Zuvor sei das "Navigationsfenster" viel kürzer gewesen.