Angesichts der Insolvenz von Air Berlin hat Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries eine Abschaffung der Luftverkehrssteuer gefordert. Die Luftverkehrssteuer werde von Airlines und Gewerkschaften "schon lange als wettbewerbsverzerrend kritisiert", sagte die SPD-Politikerin dem Handelsblatt. Mit der Maßnahme wolle sie den Luftfahrtstandort Deutschland unterstützen.

Die Steuer benachteilige "einseitig deutsche Luftverkehrsunternehmen", kritisierte Zypries, die auch Luft- und Raumfahrtkoordinatorin der Bundesregierung ist. "Ihre Abschaffung würde die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den europäischen Nachbarn und die Unternehmen insgesamt stärken."

Auch durch die Konkurrenz von Fluggesellschaften aus der Golf-Region sei es schwieriger geworden, bei den Langstrecken Geld zu verdienen, sagte Zypries. Die Golf-Staaten stehen im Verdacht, die dortigen Luftfahrtunternehmen mit Staatsmitteln zu unterstützen, die Staaten bestreiten das aber.

Zypries sprach sich gegen einen "Subventionswettlauf" aus. "Wir müssen aber die Rahmenbedingungen für deutschen Airlines so gestalten, dass sie sich erfolgreich im Wettbewerb behaupten können", forderte sie.

Hintergrund der Forderung ist die Insolvenz von Air Berlin. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Pleite hatte Zypries der Fluggesellschaft einen 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes bewilligt. Der soll den Flugbetrieb in den kommenden drei Monaten sicherstellen. 

Aktuell versucht Air Berlin, möglichst viele der 8.600 Mitarbeiterstellen zu retten. Dafür soll das Unternehmen verkauft werden. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann zufolge gab es bereits Gespräche mit mehr als zehn Interessenten. Es sei wahrscheinlich, dass Air Berlin an zwei oder drei Flugunternehmen verkauft werden. "Wir wollen den Verkauf spätestens im September abschließen. Sonst schwindet das Vertrauen der Kunden in die Airline."