9,99 Euro kostet ein Flugticket von Köln nach London. Für vier Euro mehr kommt man schon nach Bologna in Italien, für knapp 15 Euro nach Kopenhagen. Was vom Preis her auch ein Bus- oder Zugticket sein könnte, hat sich zum Grauen der Luftfahrtindustrie entwickelt. Seit Jahren wütet über den Wolken ein Preiskrieg, der viele traditionelle Airlines in Europa an den Rand des Ruins treibt.

Die Absurdität dieses Preiskampfs: Während auf einigen, hart umkämpften Routen Dumpingpreise die Regel sind, kann ein Flug auf einer anderen, genauso langen Strecke standardmäßig weit über 100 Euro kosten. Eine Airline hat dort dann meist ein Quasimonopol – und versucht über höhere Preise, die niedrigen Margen auf den anderen Strecken auszugleichen.

Die Airline-Dichte in Europa ist einzigartig hoch

Wie heftig der Wettbewerb ist, zeigt sich nicht nur an den Tiefstpreisen, die Pauschalurlauber regelmäßig jubeln lassen, sondern auch an der hohen Airline-Dichte in Europa. Teilen in den USA derzeit 172 und in ganz Asien 207 Fluglinien den Markt unter sich auf, buhlen in Europa 237 Fluggesellschaften um die Kunden. Das zeigen aktuelle Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). "Dass in Deutschland wie auch sonst in Europa eine Konsolidierung stattfindet, ist daher nur gesund", sagt Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des BDL. Eine zu große Anzahl von Airlines auf dem Markt sei auf Dauer schädlich. Zumal der Wettbewerb in den vergangenen Jahren noch deutlich härter wurde – zulasten der deutschen Airlines. Sie verlieren zusehends Marktanteile in ihrer Heimat.

Das liegt vor allem an der kompromisslosen Expansion der Billigflieger, seit 2011 konnten sie ihre Flugzahlen mehr als verdoppeln. Einer der Treiber dieser Entwicklung ist Ryanair. Die Airline mit ihrem streitbaren Chef Michael O’Leary hat es geschafft, sich sukzessive in Deutschland und Europa auszubreiten. Sogar in Frankfurt, dem Hauptdrehkreuz und Herz des Lufthansa-Konzerns, konnte sich Ryanair vor Kurzem einnisten.

Mit den Preisen von Ryanair kann die Lufthansa nicht mithalten

Gegen die Niedrigpreise des irischen Konkurrenten sind die alteingesessenen Gesellschaften machtlos. Denn Ryanair hat wesentlich niedrigere Kosten, was nicht zuletzt an den umstrittenen Methoden liegt: So werden die Flugzeuge oft nur knapp betankt. Im Sommer 2012 mussten mehrere Ryanair-Maschinen deswegen notlanden. Auch bei den Piloten wird gespart. Diese arbeiten als Selbstständige und sind nicht direkt bei der Airline angestellt. Ryanair drückt sich dadurch um Sozialausgaben – und verschafft sich einen Kostenvorteil.

Problematisch für viele europäische Fluglinien ist auch die mächtige Konkurrenz aus dem arabischen Raum. Qatar Airways oder Etihad erobern seit Jahren Marktanteile auch in Europa – und werden dazu großzügig von ihren Heimatstaaten unterstützt, etwa durch sehr günstiges Kerosin oder steuerliche Vorteile.

Das Dilemma für Lufthansa & Co.: Versuchen sie, mit den Preisen der internationalen Konkurrenz mitzuhalten, schrumpfen die Gewinne zusammen, oder manche Strecken werden gar zum Verlustgeschäft. Verlangen sie hingegen höhere Preise, müssen sie fürchten, dass die Kunden fern bleiben. Was also tun?