Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihren Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) wegen dessen geplanter Vorstandstätigkeit beim russischen Ölkonzern Rosneft kritisiert. "Ich finde das, was Herr Schröder macht, nicht in Ordnung", sagte sie in einem Gespräch mit bild.de. Bei dem russischen Staatskonzern handle es sich um ein "gelistetes Unternehmen". Gegen Rosneft gelten im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise Sanktionen der Europäischen Union.

Merkel selbst strebt nach ihrer Regierungszeit laut eigenen Angaben keinen Wechsel in die Wirtschaft an. "Ich beabsichtige keine Posten in der Wirtschaft, wenn ich nicht mehr Bundeskanzlerin bin", sagte Merkel. Sie konzentriere sich nun erst einmal "auf die Tatsache, dass ich gerne wieder Bundeskanzlerin sein möchte".

Schröder soll Rosneft als "unabhängiger Direktor" dabei helfen, Russlands Energiesektor weiter in die Weltwirtschaft zu integrieren. Zudem hat der Staatskonzern erhebliche Interessen in Deutschland, speziell im Osten. Rosneft-Chef Igor Setschin hatte im Mai angekündigt, in den kommenden fünf Jahren rund 600 Millionen Euro in Deutschland investieren zu wollen, unter anderem in die Modernisierung von Raffinerien. Für sein Amt im Aufsichtsrat soll Schröder rund 298.000 Euro Gehalt bekommen. Die Konzernleitung soll ein besonders enges Verhältnis zu Russlands Präsident Wladimir Putin haben.

Der Altbundeskanzler war für seine Nominierung bei Rosneft von vielen Seiten kritisiert worden. Wegen der umstrittenen Angelegenheit ging zuletzt auch der SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz auf Distanz zu Schröder. Der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer bezeichnete den Altkanzler als "bezahlten Diener der Politik Putins".