Der deutsche Turbinenhersteller Voith Hydro wird das umstrittene Wasserkraftprojekt Agua Zarca in Honduras nicht mehr beliefern. Zwischen Voith Hydro und Desa, dem Betreiber von Agua Zarca, bestehen keine Vertragsverbindungen mehr. Das bestätigte das deutsche Unternehmen auf Anfrage. Zu den näheren Umständen wolle man sich allerdings nicht äußern.

Wenige Wochen zuvor hatten bereits die niederländische Entwicklungsbank FMO und ihr finnisches Pendant Finnfund erklärt, sich komplett aus Agua Zarca zurückzuziehen.

Die Geschäftsverbindungen zwischen den Banken, dem Turbinenlieferanten und Agua Zarca waren bereits seit vergangenem Frühjahr unterbrochen. Grund dafür war der Mord an der Aktivistin Berta Cáceres, einer prominenten Gegnerin des Kraftwerkprojekts, die in ihrem Haus in der honduranischen Stadt La Esperanza erschossen wurde.

Schon lange vor dem Mord an Cáceres hatte es gewaltsame Proteste gegen Agua Zarca gegeben, bei denen mindestens ein Mensch starb. Menschenrechtsorganisationen forderten deshalb die Finanziers und Lieferanten seit Jahren auf, aus Agua Zarca auszusteigen. Das chinesische Vertragsunternehmen Sinohydro zog seine Arbeiter 2013 ab und beendete das Geschäft mit Desa. Andere Unternehmen aber blieben. Nach dem Tod von Berta Cáceres wurde die Kritik an ihnen lauter.

Die Gegner von Agua Zarca sagen, das Projekt werde gegen den Willen der Anwohner gebaut, und ohne dass diese ihre Zustimmung gegeben hätten wie vom Gesetz vorgesehen. Die Betreiberfirma Desa bestreitet die Vorwürfe. Desa sagt, man habe alle rechtlich notwendigen Schritte befolgt. "Agua Zarca wird niemals einer Gemeinde irgendein Projekt aufzwingen", schrieb das Unternehmen Anfang Juli in einer Mitteilung, und verkündete einen vorübergehenden Baustopp, um eine gütliche Einigung zu ermöglichen.

Zu einem Ende der Gewalt hat das aber nicht geführt. Am 29. Juli brachen Desa zufolge sechs Maskierte in die Baustelle bei San Francisco de Ojuera ein, stahlen Werkzeuge und feuerten "wahllos" mit Schusswaffen. Auch die Angehörigen von Berta Cáceres und andere Gegner von Agua Zarca berichten immer wieder von Drohungen und Gewalt gegen sie.

Honduras gilt als eines der gewalttätigsten Länder der Welt. Viele Verbrechen – auch Morde – werden nicht geahndet. Wegen des Mordes an Berta Cáceres befinden sich derzeit acht Männer in Untersuchungshaft, unter ihnen zwei ehemalige Mitarbeiter von Desa und Ex-Militärs. Der Prozess gegen die ersten vier Verdächtigen soll bald beginnen.