In der Bahn im Funkloch, zu Hause spielen gestreamte Videos nur ruckelnd ab – und das Ganze ist auch noch richtig teuer? Genauso sieht die Internetverbindung in vielen Teilen Deutschlands noch immer aus. Aber warum ist schnelles Internet in Deutschland so selten – und auch noch vergleichsweise teuer? Verschiedene Studien zeigen, dass Deutschland sowohl in der durchschnittlichen Geschwindigkeit als auch im Glasfaserausbau im internationalen Vergleich weit hinten liegt.

Nun hat Vodafone angekündigt mit zwei Milliarden Euro in den Glasfaserausbau einzusteigen. Die Telekom, die bisher am meisten investiert hat, fordert weniger Regulierung durch die Bundesnetzagentur. Doch was bremst den Ausbau in Deutschland weiterhin aus?

Bis 2018 soll jeder Haushalt mit einer Datenübertragung von 50 Megabit pro Sekunde ausgestattet werden. Dieses Ziel hat sich die letzte Bundesregierung gesetzt und dazu ein Förderprogramm für schnelles Internet gestartet. Doch genau darin sieht Roland Freund, Abteilungsleiter für photonische Netze und Systeme am Fraunhofer-Institut, den ersten Fehler: "Statt eines Infrastrukturziels wurde ein Bit-Raten-Ziel genannt, das erreicht werden soll." Seine Kritik: Man hätte besser klarere Ziele zum Ausbau der Netze machen sollen. Die aktuelle Vorgabe sei eher Aktionismus der Bundesregierung und ein sehr kurzfristiges politisches Ziel, so Freund. Die staatliche Förderung sei technologieoffen gestaltet, es müsse also nicht ausschließlich in Glasfaser investiert werden.

Alte Technik neu aufgelegt

Die Deutsche Telekom setzt etwa auf sogenanntes Vectoring. Dabei wird die Glasfaserleitung nur bis zum Verteiler, also dem grauen Kasten in der Straße gelegt. Bis zu den Haushalten wird das bestehende Kupferkabel genutzt und bis zur Leistungsgrenze ausgereizt. Mit einigen Updates sollen damit in Zukunft bis 250 Megabit pro Sekunde möglich sein. Ziel der Telekom sei es, möglichst viele Haushalte mit schnellerem Internet auszustatten, statt wenige mit dem schnellsten. Die Anforderungen steigen aber bald auf über 250 Megabit. Um diese Geschwindigkeiten zu erreichen, müsste dann erneut die Straße aufgerissen und das Kupferkabel durch Glasfaser ersetzt werden.

Fraunhofer-Experte Freund sieht darin ein Problem: "Der große Fehler ist, aktuelle Technologien bis zu ihrer Grenze auszureizen." Damit werde der gesamte Ausbau der Breitbandtechnologie verlangsamt, da nach dieser Ausbaustufe weitere Baumaßnahmen notwendig seien. Liege einmal die Glasfaser bis zur Haustür, müsse die Leitung nicht mehr angetastet werden. Und die Datenmengen werden stetig wachsen: Autonomes Fahren oder das Internet der Dinge erfordern zwingend eine schnelle Datenübertragung mit Glasfaserleitungen.

Zu sehr auf das Kupferkabel verlassen

Warum hat der Beginn des Glasfaserausbaus in Deutschland länger gedauert als in anderen Ländern? "Wir haben in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ein sehr gut ausgebautes Kupferkabelnetz", sagt Telekomsprecher Blank. Dadurch sei das Glasfasernetz noch nicht so weit entwickelt wie andernorts. "Jeden Haushalt jetzt direkt an Glasfaser anzuschließen, ist nicht leistbar und zu teuer." Darüber hinaus würden Gigabitanschlüsse heute in den meisten Haushalten nicht benötigt. Die Telekom investiere aber in schnelles Internet und habe schon 67 Prozent aller Haushalte erreicht. Gigabit-Geschwindigkeit haben davon allerdings die wenigsten.

Der Telekom-Konkurrent Vodafone möchte eben diese Gigabit-Anschlüsse anbieten. Bis 2021 soll ein Drittel der Deutschen damit versorgt sein. Technologisch setzt Vodafone auch auf Glasfasernetze bis zum Verteiler und anschließend auf eine Datenübertragung mit dem bereits verlegten Koaxialkabel, das auch für das Fernsehsignal genutzt wird. Großer Unterschied zum Kupferkabel: Es sind Datenströme bis ein Gigabit möglich.