Butter ist in Deutschland so teuer wie schon lange nicht mehr. Mit 1,99 Euro für das 250-Gramm-Paket ist der Butterpreis bei den Discountern Aldi Nord und Aldi Süd sowie Lidl derzeit auf den höchsten Stand seit mindestens 15 Jahren geklettert. 

Erst Anfang Mai hatten Aldi Nord und Aldi Süd den Preis für ihre Billig-Butter um 10 Cent auf 1,29 Euro je 250 Gramm angehoben. Anfang Juni wurde bei den beiden Discountern die Butter um weitere 20 Cent teurer, Anfang Juli um 30 Cent auf zuletzt 1,79 Euro. Entsprechend waren etwa bei Aldi Nord auch die Preise für verschiedene Käseartikel und Buttermilch erhöht worden. Der Discounter begründete den Preisanstieg mit steigenden Kosten beim Einkauf.

Maßgeblich ist dafür die weltweite Nachfrage. "Das Angebot reicht derzeit nicht aus, um die Nachfrage zu bedienen", sagte Milchmarktexperte Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Zuletzt war weniger Milch verfügbar, dadurch auch weniger Fett. Zudem war der Fettgehalt teils unterdurchschnittlich. "Weniger Milch plus weniger Milchfett ist der eine Baustein", sagt Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband. Hinzu komme, dass die Lager leer seien und die Vorräte aufgebraucht. "Es gibt in der EU keine Butterberge mehr."

Frank Maurer von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen sieht auch einen Imagewandel der Butter: Sie profitiere vom Trend zu mehr Natürlichkeit. Auch AMI-Experte Gorn registriert ein verändertes Konsumverhalten: "Viele Verbraucher kehren zurück zu mehr Genuss, da ist Fett ein wichtiger Faktor." Zudem nutze die weiterverarbeitende Industrie lieber tierisches Fett, also Milchfett, als pflanzliches Fett in ihren Rezepturen. "Der Verbrauch von Sahne, Butter und Co. als Geschmacksträger hat deutlich zugenommen in den letzten Jahren", sagte Verbandsexperte Börgermann.

Milchbauern sehen Erlöse als zu niedrig an

Eine Trendwende ist für die Experten nicht in Sicht. "Dass es bei der Butter bis zum Jahresende deutlich günstiger wird, sehe ich nicht", sagte Gorn und verweist auch auf die anstehenden Verhandlungen über die Preise der sogenannten "weißen Linie", also über die Preise von Trinkmilch, Quark und Joghurt. Auch diese Produkte sind seit Mitte des vergangenen Jahres deutlich teurer geworden. 

Nutznießer dieser Entwicklung sind vor allem die Molkereien, die mit stabilen Erlösen rechnen können. Und auch den Erzeugern bringt sie einige Vorteile: "Die höheren Preise für die Produkte ermöglichen nun höhere Milchauszahlungspreise", sagt Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband. So sind die Milchpreise seit Mitte 2016  bereits kräftig gestiegen – im Juli 2017 erhielten Landwirte im Bundesschnitt 36,1 Cent je Liter, im Vorjahresmonat waren es gerade mal 23,2 Cent. "Der Milchpreis sollte wohl mindestens zwischen 30 und 35 Cent netto liegen, um gewinnbringend Milch produzieren zu können als Erzeuger", meint Börgermann.

Die Landwirte halten dagegen etwa 40 Cent für notwendig. Beim Bundesverband der Milchviehhalter wies denn Sprecherin Jutta Weiß darauf hin, dass auch die derzeitigen Milchpreise von etwa 36 Cent je Liter im Bundesschnitt für viele Bauern nicht auskömmlich seien. "Bei den Milchbauern kommen die Preissteigerungen nicht an", beklagte sie. Notwendig sei ein Preisniveau von etwa 40 Cent. Zudem sei der Anteil des Fetts an der gesamten Milchproduktion relativ gering.