Finanzminister Wolfgang Schäuble fordert Vorsicht bei den Plänen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, den Euro in allen EU-Ländern einzuführen. Zwar sei es grundsätzlich gut, dass Juncker in dieser Frage "Druck und Tempo macht", sagte Schäuble in den Tagesthemen der ARD. Der CDU-Politiker verwies jedoch darauf, dass die Länder auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen mitbringen müssten.

Juncker hatte zuvor in einer Grundsatzrede für eine Ausweitung der Eurozone plädiert. Der Euro müsse "mehr sein als die Währung einer ausgewählten Ländergruppe", betonte er. Laut Vertrag seien alle EU-Staaten außer Großbritannien und Dänemark verpflichtet, der Gemeinschaftswährung beizutreten, sobald sie die Bedingungen erfüllten. Derzeit gehören 19 der 28 EU-Staaten der Währungsunion an.

Junckers Rede liege "auf der Grundlinie unserer europapolitischen Vorstellungen", sagte Schäuble. "Wir wollen ein starkes, handlungsfähiges Europa." Aber natürlich müsse man es richtig machen. Es sei klar, "dass Länder erst in der Lage sein müssen, auch mit einer stabilen, harten Währung, über die sie selber nicht mehr durch Abwertung entscheiden können, wirtschaftlich auszukommen. Wenn man das zu früh macht, hat man Probleme" – wie mit Griechenland in den letzten Jahren.

Schäuble betonte, dass nur wenn es den anderen EU-Ländern gut gehe, es auch Deutschland gut gehe. "Es geht nicht darum, Geld zu verteilen." Auch einer Vergemeinschaftung von Schulden trat er erneut entgegen. Dies sei "Gift für Europa", sagte er. "Wer entscheidet, muss auch die Folgen für seine Entscheidung tragen", so Schäuble.

Europäische Union - Juncker will den Euro für alle Mitgliedsstaaten EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich für den Beitritt der Nichteurostaaten in die Gemeinschaftswährung ausgesprochen. Der Euro solle den Kontinent einen statt spalten. © Foto: Christian HArtmann/Reuters