Der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin drohen an diesem Mittwoch erneut Flugausfälle durch massenhafte Krankmeldungen. "Für morgen liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor", schrieb der Vorstand der Fluglinie laut der Deutschen Presse-Agentur in einem internen Brief an die Belegschaft. "Das bedeutet, dass uns am Mittwoch ein ähnliches operatives Desaster wie heute droht. Dies wird uns noch näher an den Abgrund bringen", heißt es darin weiter. Ein Sprecher der Fluglinie bestätigte, dass es Flugstreichungen geben werde. Genauere Angaben könnten aber erst am Mittwochmorgen bekannt gegeben werden, sagte er. 

Bereits am Dienstag hatten sich etwa 200 Piloten krankgemeldet, mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen. Nach Berechnungen der Air-Berlin-Finanzabteilung habe dieser Ausfall die Fluglinie rund fünf Millionen Euro gekostet. Sowohl die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit als auch der Betriebsrat ermahnten gesunde Kollegen, zur Arbeit zu gehen.

Appell an die Mitarbeiter

"Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen", betonten die Vorstandsmitglieder. Um Investoren nicht zu verschrecken und Arbeitsplätze zu retten, sei es "entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren".

Am Ende betonte der Vorstand, dass kranke Kollegen natürlich zu Hause bleiben müssten. "Aber für alle anderen gilt: Kommt eurer Verantwortung für unsere Passagiere und die Arbeitsplätze aller Air Berliner nach und kommt zur Arbeit, damit wir einen unkontrollierten Zusammenbruch des Unternehmens vermeiden können."

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Seitdem laufen Gespräche über eine mögliche Übernahme der Flotte und des Unternehmens. Um den Flugbetrieb vorerst aufrechtzuerhalten, stellte die Bundesregierung einen Kredit über 150 Millionen Euro zur Verfügung. Zuletzt strich Air Berlin dennoch zahlreiche Langstreckenflüge, um Kosten zu sparen. Mangels Vertrauen der Kunden waren die Buchungen eingebrochen und hatten somit zu einem Verlustgeschäft geführt. Die Airline kündigte daher an, ab 25. September sein Karibik-Flugprogramm zu beenden und die Streichung von USA-Flügen vorzuziehen.

Interessenten können ihre Angebote für Air Berlin bis zum 15. September abgeben. In der Diskussion steht unter anderem eine Aufteilung durch die Deutsche Lufthansa und easyJet. Auch der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat ein Angebot von bis zu 500 Millionen Euro für das Unternehmen abgegeben. Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline als Ganzes oder in Teilen könnte schon am 21. September fallen.