Die zuständigen Minister der Europäischen Union (EU) haben für das kommende Jahr die Gesamtfangmengen für die unterschiedlichen Fischbestände in der Ostsee festgelegt. Dabei einigten sie sich auf eine Verringerung der Quoten bei mehreren wichtigen Fischarten wie Hering, Lachs und dem westlichen Dorsch. 

Beim westlichen Hering soll die Fangquote für 2018 um 39 Prozent, beim östlichen Dorsch um acht Prozent gesenkt werden. Einschränkungen gibt es auch bei Scholle (minus zehn Prozent) sowie bei Lachs (minus fünf Prozent) in der gesamten Ostsee. Erhöht werden dagegen die erlaubten Fangmengen für Hering in der zentralen Ostsee (plus 20 Prozent) und für Sprotte in der gesamten Ostsee (plus ein Prozent). Die Fangmenge beim westlichen Dorsch bleibt unverändert.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) nannte die Kürzungen "schmerzlich für die deutschen Ostseefischer". Eine langfristige wirtschaftliche Perspektive für die Ostseefischerei werde jedoch nur durch "gute Bestände" gesichert.

Grundlage für die vereinbarten Quoten sind Empfehlungen der EU-Kommission, die diese auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten erarbeitet hatte. In den Verhandlungen ging es dann darum, Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände zu finden. Das Ergebnis weicht in einigen Fällen deutlich von den Vorschlägen der EU-Kommission ab, etwa beim östlichen Dorsch, für den die Behörde in Brüssel eine Verringerung von 28 Prozent gefordert hatte – 20 Prozentpunkte mehr, als die Minister dann schließlich festgeschrieben haben.

Kein Aalfangverbot

In diesem Jahr hatte die EU-Kommission zudem ein Aalfangverbot in der Ostsee gefordert. Dies nahmen die Minister allerdings nicht an, was die Umweltschutzorganisation Greenpeace als "besonders tragisch" bewertete. "Um den Aal in der Ostsee vor dem Aussterben zu bewahren, ist ein Fangverbot die einzige Möglichkeit", sagte Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack. Überhaupt hätten Aal, Dorsch und Hering nur dann eine Chance, wenn die Fischereiminister Meeresschutzgebiete einrichten. Dem Bundeslandwirtschaftsministerium zufolge soll diese Diskussion "zu einem späteren Zeitpunkt" geführt werden.

CSU-Minister Schmidt zeigte sich entgegen der Kritik zufrieden mit dem Ergebnis des Ministerrats in Luxemburg. Er und seine Kollegen hätten einen "Beitrag zur weiteren Erholung der Bestände und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee" geleistet. Greenpeace beschuldigte Schmidt hingegen, sich "den kurzsichtigen Interessen der Fischereiindustrie" zu beugen und wissenschaftlich empfohlene Höchstmengen zu ignorieren. "Die diesjährige Entscheidung ist zwar ein guter Schritt, wird aber das Ziel der Fischereipolitik, bis 2020 gesunde Bestände zu erreichen, verfehlen", kritisierte auch die Naturschutzorganisation WWF.