Trotz der Kritik von US-Präsident Donald Trump wollen Kanada und Mexiko die Verhandlungen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (Nafta) mit den USA fortsetzten. "Unsere Volkswirtschaften sind eng miteinander verbunden. Wir haben eine gemeinsame Vision von einer besseren Zukunft für alle", sagte der kanadische Premierminister Justin Trudeau im Senat in Mexiko-Stadt. Nafta ist das größte Freihandelsabkommen der Welt.

Der Vertrag muss auf Druck der USA nachverhandelt werden, weil Trump sein Land benachteiligt sieht. Trump hat vor allem ein Problem mit dem hohen Handelsdefizit gegenüber Mexiko und den in Mexiko produzierenden US-Unternehmen.

Dagegen sagte Trudeau, der freie Handel in Nordamerika in den vergangenen 20 Jahren habe allen genutzt. "Nafta hat zu der Schaffung Tausender Arbeitsplätze beigetragen, und wir wollen Wege finden, das Abkommen zu modernisieren", sagte Trudeau nach einem Treffen mit Mexikos Präsidenten Enrique Peña Nieto.

Am Mittwoch hatte die vierte Runde der Neuverhandlung des Vertrags in Washington begonnen. Während sich die Unterhändler in einigen Bereichen offenbar schon nähergekommen sind, werden nun die kontroverseren Themen wie Arbeitsrecht und Löhne besprochen.

US-Präsident Donald Trump hatte bei einem Treffen mit Trudeau gesagt, sollte es nicht gelingen, Nafta zu modernisieren, werde er das Abkommen aufkündigen und bilaterale Handelsverträge schließen. "Die Haltung von Mexiko ist ganz klar. Das Abkommen sollte aktualisiert werden, um ein Werkzeug zu werden, das der Entwicklung nützt", sagte Peña Nieto.

Schneller Überblick: Die wichtigsten Freihandelsabkommen

TTIP

© ZEIT ONLINE

  • 44 % des Welthandels
  • 45 % des globalen BIP
  • 820 Mio. Menschen

Seit dem Jahr 2013 verhandelt die EU-Kommission mit der US-Regierung über ein Transatlantisches Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership). Damit sollen Handelshemmnisse abgebaut werden. Gegner kritisieren, dass die Verhandlungen intransparent geführt würden und viele geplante Regelungen problematisch seien.

CETA

© ZEIT ONLINE

  • 39 % des Welthandels
  • 25 % des globalen BIP
  • 535 Mio. Menschen

Das Freihandelsabkommen Ceta (Comprehensive Economic and Trade Agreement) der EU mit Kanada ist ausverhandelt. Die 28 EU-Staaten haben den umstrittenen Vertrag einstimmig beschlossen. Er tritt endgültig in Kraft, wenn alle Länderparlamente Ceta ratifizieren.

TPP

© ZEIT ONLINE

  • 26 % des Welthandels
  • 40 % des globalen BIP
  • 800 Mio. Menschen

Das Freihandelsabkommen TPP (Trans-Pacific Partnership) wurde im Februar 2016 von den zwölf Ländern unterzeichnet. Der Pakt galt Kommentatoren als Verlagerung des Mittelpunkts der modernen Welt vom Atlantik in den Pazifik, weil es das erste große und damit maßgebliche Freihandelsabkommen der Welt werden sollte. US-Präsident Donald Trump hat Mitte Januar 2017 entschieden, aus dem Abkommen auszusteigen. Die Zukunft von TPP ist damit ungewiss.

RCEP

© ZEIT ONLINE

  • 24 % des Welthandels
  • 28 % des globalen BIP
  • 3 Mrd. Menschen

Die RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) soll ein Freihandelsabkommen zwischen den ASEAN-Staaten und den sechs Pazifik-Ländern werden, mit denen der Verbund südostasiatischer Staaten bereits entsprechende Verträge geschlossen hatte. Der Grad der Integration soll geringer sein, als es zum Beispiel bei TTIP geplant ist. Vereinbart werden sollen Zollabbau, freier Wettbewerb, Schutz von geistigem Eigentum, wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit sowie Streitschlichtung. Die EU und die USA verhandeln nicht mit, könnten aber beitreten.

NAFTA

© ZEIT ONLINE

  • 16 % des Welthandels
  • 25 % des globalen BIP
  • 465 Mio. Menschen

Die Freihandelszone North American Free Trade Agreement (Nafta) ist 1994 in Kraft getreten. Das Abkommen sieht Zollerleichterungen und die Öffnung einiger Märkte wie Finanzen und Energie vor und hat zwei Seitenabkommen zu Arbeitsrechten und Umweltschutz. In Mexiko wird unter anderem kritisiert, dass landwirtschaftliche Produkte aus den USA das Land überschwemmten – in den USA heißt es, dass sich Industrieproduktion in das Nachbarland verlagere.

Laut Medienberichten will die US-Regierung den verpflichtenden Anteil von in den Vereinigten Staaten gefertigten Fahrzeugteilen erhöhen und eine Klausel einführen, nach der Nafta in fünf Jahren ausläuft, wenn bis dahin keine Einigung über eine Modernisierung des Vertrags erzielt wurde. Kanada und Mexiko sind dagegen.

"Die Vorschläge liegen jetzt auf dem Tisch. Wir wussten, dass es schwierig werden würde, aber es könnte schlimmer sein", sagte der mexikanische Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo im Fernsehsender Televisa. Sein kanadischer Kollege François-Philippe Champagne sagte: "Für uns hat es Priorität, das Abkommen zu schützen."

Der Binnenmarkt von den USA, Kanada und Mexiko umfasst 460 Millionen Menschen und verfügt über eine gemeinsame Wirtschaftsleistung von umgerechnet rund 16,8 Billionen Euro. Der trilaterale Handel hat sich seit Inkrafttreten des Abkommens auf rund 930 Milliarden Euro vervierfacht.